Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
381
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mag uns sehr gleichgültig sein. Aber auf demselben Felde stehtdas Wohnhaus des unsterblichen Pestalozzi, sein Neuenhof,und daneben das große, massive Gebäude, welches er, mit ihmkaum erschwinglichem Kostenaufwand, baute, eine Erziehungsstätteder ärmsten Kinder aus dem Volk darin zu gründen. Der lebens-müde , zwei und achtzigjährige Greis konnte sein Werk nicht vol-lenden, welches seiner Jugend Lieblingstraum gewesen war. Nichtweit von da, auf dem Begräbnißplatz des Dorfleins Birr, ruhtseine Asche.

Der Lebensausgang dieses außerordentlichen Mannes war fürsein Gemüth höchst trauervoll. Alle Pläne sah er zerrissen; keineseiner Hoffnungen zur Erfüllung aufgegrünt. Er meinte vergebensgelebt zu haben. Nichts bezeichnet ihn und seinen tiefen Schmerzso klar, als jene rührende Stelle, in der er von sich selberschrieb: ,/Tausende gehn, als Werk der Natur im Verderbendes Sinnengenusses dahin, und wollen nichts mehr. Zehn-tausende erliegen unter der Last der Gesellschaft, ihres Hammers,ihrer Nadel, ihrer Elle, ihrer Krone; sie wollen nichts mehr.Ich kenne einen Menschen, der wollte mehr. In ihm lagdie Wonne der Unschuld, und ein Glaube an die Menschen,den wenige Sterbliche kennen. Sein Herz war zur Liebe geschaf-fen; Liebe war seine Natur; Treue seine innigste Neigung. Aberer war kein Werk der Welt. Er paßte in keine Ecke. Und dieWelt, die ihn also fand, die nicht fragte: "vb durch seineSchuld oder die Schuld eines Andern?" zerschlug ihn mit einemeisernen Hammer, wie die Maurer einen unbrauchbaren Steinzum Lückenfüllen. Noch zerschlagen glaubte er an das Menschen-geschlecht, mehr, als an sich selber; setzte sich einen Zweck vorund lernte unter blutigen Leiden für diesen Zweck, was wenigeMenschen können. Er erwartete itzt Gerechtigkeit von dem Ge-schlecht, das er noch immer harmlos liebte, und erhielt sie nicht.Das war das Sandkorn auf der stehenden Wage seines Elends.Er ist nicht mehr. Du kennst ihn nicht mehr. Was von ihm üb-rig ist, sind zerrüttete Spuren seines zertretnen Daseins."

Von Vindonissa's Trümmern bis zum Grabhügel Pastalozzi'sauf dem ländlichen Kirchhof von Birr, ist nur eine Wegstunde.Und in diesem engen Raum stehn, wie nirgends wo anders imSchweizerlande, fast alle Zeitalter desselben in hinterlassenenDenkmalen beisammen; Rom's Glanz und Macht in Helvetien,