377
bespötteln. Die Preßfreiheit ward gelähmt; Censur eingeführt.Die Polizei griff in das Richteramt, die Regierung in die Gesetz-gebung ein. — Im Lande herrschte Gleichgültigkeit, oderMißmuth.
Das Jahr 1830 erschien. Das Volk sollte wieder in Urver-sammlungen, zu zwölfjährigen Wahlen seiner Stellvertreter schrei-ten. Es weigerte sich aber fast in allen Gegenden und fordertestatt dessen Verbesserung der Staatsverfassung. Schon war dieseauch von einzelnen Staatsbürgern früher gefordert worden, ihreBittschrift aber von den Regierenden, wie eine Albernheit, beseitigt.Jetzt sah sich die Regierung plötzlich und noch dazu auf ganz gesetz,lichem Wege getrieben. Denn wenn das Volk keine Wahlen machte,so war keine Regierung, kein gesetzgebender Rath, kein Gerichtswesenmehr. Die Regierung verhieß Einberufung eines vom Volk gewähl-ten Verfassungsraths, aber die gesetzgebende Versammlung, einver-standen mit ihr, fügte den bedenklichen Zusatz bei, der Entwurfder neuen Verfassung solle der Würdigung und Abänderung desbisherigen Raths unterworfen werden. Nun brach der Unwille desLandes gegen die verdächtige Anmaßung aus. Im Freienamt schaar-ten sich die Milizen zusammen, bald auch im alten Aargau undFrickthal. Die erschrockene Regierung rief Truppen ein. Diese wei-gerten sich aber Bürgerblut zu vergießen. Kein Schuß ward für diebisherigen großen und kleinen Räthe gethan. Mehrere tausendMann des Aufftandes rückten in Aarau ein, bekleidet von zahllosenunbewaffneten Landleuten; doch alle in strenger Mannszucht undOrdnung. Die Regierung, des öffentlichen Vertrauens verluftig,gehorchte zitternd dem Gebot des Volks. Dann zogen die Truppenruhig zurück. Der vom Volk gewählte Verfassungsrath trat zusam-men und vollendete am 15. April 1831 sein Werk.
Seitdem steht der Aargatt wieder in ehevoriger ihm angemesse-ner, freier Gestalt; froh der wesentlichen Verbesserungen seinerZustände. Die Staatsgewalten wirken streng von einander geschie-den. Willkühren der Beamten finden ein Strafgericht. Das Volkist der Bürden entladen, unter denen es hin und wieder erlag.Die Presse bewegt sich, von keinem Censor gebunden. Die höhernund niedern Schulen beginnen ein kräftigeres Leben. Vieles istim Zeitraum weniger Jahre des Trefflichen vollbracht, was vorherfast unmöglich schien; und Größeres wäre geleistet worden, hätteder Gifthauch des Partheigeiftes nicht manche der aufsprießenden,jungen Saaten berührt.
18