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Von der Einsiedelei St. Verena führt ein Weg zum nahenJura, und, zwischen Wald und Felsen, empor zum Nebenbuhlerdes Nigi, dem Solothurner Weißen stein. Obgleich die Kuppedieses BergeS nur 3950 Fuß über dem Spiegel des Mittelmeerserhaben ist, wird sie doch jedes Jahr von einigen Tausend Lust-reisenden erstiegen. Auf der Höhe empfängt den Wandrer einbequemes, neuerbautes Gasthaus, mit Einrichtungen zu Molken-kuren und Bädern versehn. Er gelangt, wie er will, zu Fuß,zu Pferd, zu Wagen dahin. Er sieht 2900 Fuß tief Solothurn,die Umgegend, die ganze mittlere Schweiz unter sich, bis zuden finstern Vorbergen der Alpenkette, und diese selbst, vomhohen Säntis Appenzells, bis zum Monte Rosa und Montblanc,in ihrer vollen silbernen Glorie.
Im Wettstreit der Schweizerberge, welcher von ihnen diemeiste Herrlichkeit der Fernsichten zur Schau lege, ist es ebenso gefährlich zu entscheiden, als unter den schönen Evenstöchtern,welche die Reizendste sey. Auch der Napf, der sich an denLuzerner und Berner Gränzen, weit über 4000 Schuh erhebt,trägt den Namen des „kleinen Rigi"; auch der Kamor iminnerrhodischen Appenzell, fast so hoch, als der Rigi, undbequem zu bewandeln, rollt dem Auge eine eigene Wunderweltaus, die Ostschweiz, den breiten Spiegel des Bodensees, dieschwäbischen Ebnen, die zusammengereihten Alpenschaaren Bündens,Tyrols und Kärnthens, in grauenvoller Hoheit. Sollt' ich aberder „tZuilie lln vo^AK'eur" für einen neuen Paris werden,welcher Lust hätte, dem Schönsten unter den Schönen den Preiszuzuerkennen, so würd' ich ihn stufenweis erst zur Sennhütte desNapf, dann zum Kamor oder Weißenstein, nachher erstauf den Rigikulm führen, und endlich, wenn er mir für mil-dere Gemüthserregungen unempfindlich zu werden ansinge, nochdritthalbtausend Fuß höher, als den Nigi, in das Himmelshausdes Faulhorns.
Unter den Ortschaften, welche auf dem grünen Teppich zuFüßen des Weißen st eins umhergestreut liegen, bemerkt manauch, nur ein Viertelstündchen hinter Solothurn, zwischen derineinander strömenden Aare uud Emme, Zuchwyl. Es ist nurein kleines Dorf, aber nicht ganz ohne Ruhm. Hier, als dieprotestantischen Solothurner in den Tagen kirchlicher Wirrenund Verfolgungen (1533) ihre fanatisirte Vaterstadt meidenmußten, fanden sie den ersten Aufenthalt und feierten sie ihrenevangelischen Gottesdienst mit Sicherheit. Hier auch fand in den