Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

364

bewußt, hatte ihr Gatte wiederholt verlangt, verhört und ge-richtet zu werden. Erst nach mehreren Monaten ward sein Ge-fängniß geöffnet; ihm gemeldet, er sey vom König zu denGaleeren auf unbestimmte Zeit verurtheilt. Das Urtheil gabkeinerlei Grund der schrecklichen Strafe an. In Ketten wurde eran die afrikanische Küste nach Ceuta geführt und dort insBagno gebracht. Er schrieb mir von da. Sein Brief warAlamon-tade" unterzeichnet. Der Gouverneur von Ceuta beklagte edel-müthig das Schicksal des unglücklichen Obersten, und gestatteteihm Freiheit, am Tage umherzugehn. Der Galeerensklav erhieltbald Zutritt in einige der angesehensten Häuser von Ceuta.

Ich war indessen, sogleich nach seiner ersten Verhaftung, vonseinem Schicksale unterrichtet worden, und daß meine Freundschaftihm zum Verbrechen gemacht sey. Ich sage nichts von meinemersten Entsetzen, von meiner langwierigen Angst. Ich setzte Allesdurch meine Freunde in der Schweiz, durch meine Verbindungenin Paris, zur Erlösung Noitels aus Ceuta in Bewegung, ob-gleich selbst die Verwendung des Generals von Wimpfen fürihn eitel gewesen war, so wie die der Regierung von Solothurn,welche dazu ein Glückwünschungsschreiben an den König zu seinerVermählung mit der Prinzessin Christina benutzt hatte. Das Besteward endlich vermuthlich durch die französische Gesandtschaft inMadrid und den Staatsminister Gonsalez Salmon daselbst bewirkt.Am 25. März 1831 empfing Voitel eben so unerwartet die Nach-richt seiner Freilassung, als einst die seiner Verhaftung. Doch warddie Bedingung beigefügt, aber später wieder aufgehoben, nie wie-der Spaniens Boden zu berühren. Er schiffte sogleich nach Algevi-ras, von da auf einer kleinen Kohlenbarke über das Meer nachMalaga, wo er, mit Vorwissen des Gouverneurs, verborgenbei einer englischen Familie lebte, bis er Schiffgelegenheit fand,über Marseille und Genua in sein Vaterland zurückzukehren. Welchseeliges Wiedersehn!

Sollt' ich nicht um Verzeihung bitten, diese Anekdote erzähltzuhaben? Doch wer geliebt hat, wird sie, auch ohne Bitte, demFreunde gewähren. Und nebenbei kann sie ja, als Beitrag zumGemälde des rechtslosen Zustandes von Spanien und der könig-lichen Anarchie daselbst, dienen.