Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
347
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zarten, überirdischen Jungfraun alle schlafend. Der unbescheidncschlich mit der Fackel von einer znr andern snchend. Sein durch dieHallen tönender Fußtritt weckte aber die Schlummernden. Schaam-voll und zornig sprangen sie ans. Ein Wink; Alles war Finsterniß;der Tempel stürzte zusammen und die Feen entflohn, indem sie denjungen Waghals mit sich nahmen. Man hat ihn nie wieder gesehn;aber auch die zarten Oreaden verschwanden seitdem aus der ganzenGegend.

Vielleicht die mächtigste aller Berghöhlen des Kantons Neuen-bnrg mag die im Val Travers seyn; sie soll sich breit und hochge-wölbt in einer Länge von 2 3000 Fuß durch den Berg strecken.Andere behaupten, wohl eine Stunde Wegs. Wer hat aber ihrEnde erblickt? Mondmilch und wundersam gestaltete Stalaktitenüberkleiden ihr Inneres. Die Landschaft, beim Eingang, ist eineder reizendsten des Thals. In der Nähe ragen graue Thurmtrüm-mer einer Burg vom Hügel auf. Die Ruine ist unbekannter Ab-kunft. Dann stürzt neben der Höhle ein hoher Wasserfall, der-,Sourdebach", aus dem Felsen hervor. Gegenüber liegt in derEbne, von Fruchtfeldern umgrünt, die älteste Pfarrei des Thals,von Landlenten, Fabrikanten und Künstlern bewohnt, Motiers-Travers. Auch ist sie berühmt worden durch Jean Jacques Rous-seau's Aufenthalt, als er, vor dem Zorn des Genfer Senats,von Jfferten hinweg, hieherftoh, wo er seine '/Briefe vom Berge"schrieb. Der Philosoph, welcher das sonderbare Schicksal hatte,mit gleicher Wuth von Schauspielern, Operusängerinnen, Bischö-fen, Schriftstellern, republikanischen und monarchischen Obrigkeiten,protestantischen und katholischen Geistlichen, Tonsetzern und Schul-meistern verfolgt zu werden, verlebte im Dorfe Motiers einigeglückliche Jahre. Theils die reine, gesunde Luft und die Anmuthder Umgebungen, theils di? Nähe einer eisen- und schwefelhalti-gen Heilquelle, locken noch heut in den Sommermonden Fremdeher. Der gute Rousseau hatte, bei seiner Reizbarkeit, den kleinenFehler, er konnte nicht schweigen, wenn man ihn, seiner Ueber-zeugungen willen, mit einer Flut von Schmähschriften, Karrika-turen, geistlichen Bannflüchen, Epigrammen, Hirtenbriefen, obrig-keitlichen Landesverweisungen und Spottliedern überschüttete. SeineBriefe vom Berge versetzten aber den rechtgläubigen Kalvinismusder Genfer Pfarrer und, durch diesen, Rath lind Bürgerschaftder Stadt in die zornigste Bewegung gegen ihn. Er glaubte sichfreilich unter dem Schlitz des preußischen Gouverneurs, des Mar-schalls Keith, wohlgeborgen; und um so mehr, da selbst dessen