Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
348
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großer König für ihn sprach. Allein damals, wie noch heut, konntenweder Marschälle noch Könige gegen rachsüchtige Wespenstiche desFanatismns schützen. Die frommen Pfarrer zn Genf mahnten diefromme Geistlichkeit des neuenburgischen Landes zn kollegialischerHülfe gegen den Ketzer auf. Nun träufelten von den KanzelnNeuenburgs fortan nicht die liebreichsten Anspielungen auf denFreigeist von Genf, den gefährlichen Jrrlehrer, Volksverführerund Antichrist. Das glaubige Landvolk des Val Travers fing anfür das Heil seiner armen Seelen zu zittern, und betrachtete denverketzerten Mann, wie einen wahren Wehrwolf. Man begriff,er müsse Heide oder Türke, oder noch Aergeres seyn; denn daszeigte die orientalische Tracht, in welcher ihm hier zu wandelngefiel. Man ließ es nicht an den schlimmsten Ehrentiteln für ihnfehlen, die man beim kirchlichen Gottesdienst mit aller Andachtgelernt hatte, und ihm nachrief. Bald erfand man noch kräftigeremit Drohungen begleitet. Zuletzt, nach einem lustigen Markttagdes Dorfes, begrüßte man Nachts sein Haus mit einem Stein-hagel. Das Geklirr der zerbrochnen Fensterscheiben weckte ihnund Alles, was im Hause war, aus dem Schlaf, unter andernauch die Magd eines alten Mannes. Diese rief den Kastellan;der Kastellan im Schlafrock die Dorfwacht. Die Nachtbuben ver-schwanden. Rousseau war gerettet; doch einen zweiten Besuch sostürmischer Art mochte er nicht abwarten. Er verließ das Thal.

Aber welche Verwandlungen des Volksgeistes haben seit sieben-zig Jahren zu Motiers Alles geändert! Man besitzt, manliest dort nun die Schriften des verfolgten Weltweisen. Keingeistlicher Zelot wagt sie mehr mit dem Bannfluch zu belegen.Man zeigt das Haus, welches er bewohnt hatte. Man bewahrtdie von ihm bewohnt gewesenen Zimmer, wie ein Heiligthum, undtausend Namen derer, die das Heiligthum besuchten, bedecken dieWände. Man erstaunt nicht mehr über die Hochachtung, welcheder Fürst von Neuenburg, König Friedrich II., einem Mannebewies, der des Königs Geschenke ausschlug, und von welchemder Monarch sagte:Wenn jemals dieser Mann eines Königesbedarf, wünsch' ich, daß er mir den Vorzug gebe>*)

Wenn man das vorige Jahrhundert mit dem gegenwärtigenvergleicht; an die Zeiten jenes großen Friedrich und seiner ge-krönten Zeitgenossen denkt, eines Joseph II., einer Katharinavon Rußland, eines die Aristokratie Schwedens brechenden Gustav III.

*) Humsis eet komme » kesom ck'un roi, je soulmite, yu'il msäoons lit preterevce.