Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
295
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S95

Schwestern im benachbartenKlein - Rie d er a." Der ehrwürdigeBüßer, wer hätte es glauben sollen? der dem großen Napoleongute Dienste geleistet haben mogte, diente aber auch, mitheiliger Schlangenklugheit, zugleich gegen ihn als Spion der Bour-bonen. Das wurde verrathen. Napoleon verlangte am 21. August1811 seine Auslieferung von der Regierung von Freiburg, wegeneines an Frankreich begangnen Staatsverbrechens. Abt Augustinindessen hatte schon den Tag vorher durch eine Staffette ausParis Nachricht von dem erhalten, was bevorstehe, und verschwand,niemand wußte, wohin? Die Regierung hob noch in demselbenJahr das Kloster von Val Sainte auf. Das Haus der Trap-pistinnen zu Riedera hatte dann im May 1812, das nämlicheSchicksal.

Allein kaum war Napoleon gestürzt und, im Jahr der Restau-rationen , die Aristokratie von Freiburg so gut, als möglich, wiederhergestellt, erschien auch der unermüdliche Trappisten - Abt, imMärz 1815 abermals, um von neuem Besitz von Val Saintezu ergreifen. Seine Mühe blieb jedoch eitel, weil es an Geldgebrach. Vermuthlich ging er nach Frankreich. Man sieht, heutigesTages versteh« die Heiligen noch so gut, als jemals im Mittelalter,Romane zu spielen.

Dergleichen Geschichtchen aber, selbst wenn sie auch häufigerwären, was sie jedoch, zur Ehre der Geistlichkeit sey es gesagt,keineswegs sind, vermindern nicht die angestammte Vorliebe undEhrfurcht, welche die gutmüthigen und glaubensreichen Bewohnerdes freiburgischen Landes für Alles hegen, was priesterlich ist. Fürsie ist der kirchliche Ritus und dessen unverstandnes Geheimniß, sowie die Gottverwandtheit des Priefterthums, die Religion selber.Und wenn ihnen im Licht des verbesserten öffentlichen UnterrichtsVieles anders erscheinen, ja, wenn die Geistlichkeit selber wagenwürde, ihnen hellere Begriffe zu geben: sie würden in diesen nurKetzereien, in jenem nur Verblendungen der gottlosen Vernunftwahrnehmen. Es gehören Menschenalter dazu, Völkerschaften vomUeberlieferten abwendig zu machen. Die Gewohnheit des Irrthumsist mächtiger, als die Erkentniß desselben, selbst bei gebildeter«Personen. Und wenn man noch heut da und hier eine mit demTeufel vermälte Hexe verbrennen wollte, zweifle niemand, diefromme Menge würde heut noch dem Auto da Fv mit der näm-lichen Andacht zuschaun, wie im I. 1634, als man die unglücklicheMia Varmy, welcher der Landvogt zu Rue das Geständnißihrer Zaubereien abgefoltert hatte, lebendig auf dem Scheiterhaufen