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gleicht. Hätte sich der Gedanke in einem geschriebenen Buche ge-zeigt, das Buch wäre mit dem Autor durch Henkershand auföffentlichem Markte verbrannt worden. So war bis auf Gutten-berg die Architektur die allgemeine Hauptschrift. Das Mittelalterschrieb die letzte Seite dieses im Orient begonnenen, im griechischenund römischen Alter fortgesetzten Granitbuches. — Die allgemeinenKennzeichen jeder priesterherrschaftlichen Sculptur sind: Unverän-derlichkeit, Abscheu vor Fortschritten, Erhaltung der überliefertenLinien, Weihe der ursprünglichen Typen; eine stehende Form desMenschen und der Natur. Dies ist das starre Gepräge derägyptischen, der indischen, der romanischen Kunst. — Der archi-tektonische Charakter des Feudaladels ist sein schmuckloser harther-ziger Kriegerftolz, der sich in den durch's Land weit schauendenWartthürmen, in den gewaltigen Burgställen vom Harnisch derRingmauern umschlossen, auf ihren Felshöhen, in den unterirdischenBurgverließen, selbst in den engen Fensterlöchern offenbart, die,wie Augen des bösen Gewissens, mehr zum Lauern gemacht sind,als das finstre Geheimniß des Innern errathen zu lassen. Reicher,aber minder heilig, minder hochmüthig, ist die Architektur desVolks. In der phönicischen sieht man den Kaufmann, in dergriechischen den Republikaner, in der gothischen den Bürger.
Der Kanton Freiburg zeichnet sich unter den übrigen derSchweiz noch durch eine Eigenthümlichkeit aus, die bemerkens-werth ist. Seiner bürgerlichen Verfassung nach gehört er zu dendemokratischen Republiken, mit Stellvertretung des Volks, mitGleichheit der politischen Rechte für alle Bürger, sogar mitPreßfreiheit, also, daß niemals weder die Censur, noch irgendeine andre vorgreifende Maßregel eingeführt werden kann. Beidem Allen besteht jedoch dieser kleine Staat zugleich in seinemInnern, als ein, wenn auch nicht gesetzlich ausgesprochener, dochthatsächlich lebender Priefterstand, dessen moralische Macht dieweltliche Obrigkeit vielmals überfiügelt und beherrscht, wie sehrsie sich auch zuweilen dagegen sträubt.
Die Hauptstadt ist zugleich Sitz eines Bischofs, der zwarnoch den Titel eines Bischofs von Lausanne führt, aber seit derReformation den größten Theil seines Sprengels verloren hat.Außer dem Kanton Freiburg, stehn nur noch die wenigen katho-lischen Geistlichen unter ihm, die sich in den Kantonen Waadt,