Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
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Worte; legte Stein auf Stein; verknüpfte Sylben von Granit.Das Dolmen und Kromlech der Celten, der hetrurische Tu-mmln s, der hebräische Galgal sind Worte. Der ungeheureSteinhaufen von Kernak ist schon eine Phrase. Die Architekturentfaltete sich zugleich mit dem Reich menschlicher Gedanken; sieward riesenhaft, tausendköpfig, tausendarmig und versteinerte insichtbarer, ewiger Form den hin-und herschwebenden Symbolismus.Der Pfeiler ward zum Buchstaben, die Arkade zur Sylbe, diePyramide zum Wort, der Tempel zum Buch, wie die Pagode vonEklinga, dasRhamseion Aegyptens. Der Tempel Salo-m ons ward nicht blos eines heiligen Buches Hülle, sondern dasheilige Buch selbst; alles daran und darin Geschichte und Psalm.So war in den ersten kststO Jahren der Welt, von der ältestenPagode Indiens bis zur Kathedrale von Köln, die Baukunst eineSchriftkunst des Menschengeschlechts.

Am nächsten und uns am verständlichsten liegt den heutigenTagen noch das Mittelalter. Im ersten Zeitraum desselben, alsder Vatican aus den Trümmern des alten welterobernden Romsein neues, die große europäische Theokratie, erbaute, spricht sichder Geist der Jahrhunderte symbolisch in der geheimnißvollen, ro-manischen Baukunst, Schwester der Architekturen Indiens undAegyptens, aus. Jeglicher Gedanke der Zeit ist in diesem düsternromanischen Styl niedergeschrieben. Ueberall sieht man die unver-änderliche Hieroglyphe päbftlicher Einheit, Unumschränktheit, Uner-fvrschlichkeit und Macht; überall den Priester, die Kaste; nie denMenschen, das Volk. Dann aber bringen die Kreuzzüge einenneuen Geist in die Abendlande. Der Feudalisums will mit derTheokratie theilen. Der Adel durchbricht das Priesterthum; hinund wieder die Gemeinde den Adel. Die Hieroglyphe der Architekturschmückt auch die hochgethürmten Felsenburgen. Unter den hohenSpitzbögen der Kathedralen spricht das Priesterthum nicht allein;auch der freiere Geist des erwachenden Volks durch seine Dichter.Diese Dichter sind Baumeister und SU inHauer in den wissenschaft-lichern Maurergilden. Größer, als ihr Jahrhundert, verewigen sieihren Spott über dasselbe. Kapiteele und Hallen der Kirchen zeigenin ihren Schnörkeln die Tyrannei der Großen, die Sittenlosigkeitder Priester; Könige im Rachen des Satans; Nonnen und Pfaffenschaamlos verkuppelt. Ein baechischer Mönch mit Eselsohren, undden Weinbecher in der Hand, lacht der Gemeinde ins Gesicht.Nur in dieser Art war damals der Gedanke frei; er hatte in derArchitektur ein Privilegium, das unsrer heutigen Preßfreiheit