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2 (1838)
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bat kein frömmeres Ansehn. Selten eine Straße, in welcher wirnicht daß Kreuz, oder Häuser mit Heiligenbildern bemalt erblicken;wenig Leben darin, außer an Festtagen. Die geringe Bevölkerungvon kaum 8000 Seelen verliert sich in der Menge der Gebäude,welche vorzeiten, als die Gerbereien allein bei 2000 Arbeiter be-schäftigten, für eine größere Zahl der Bewohner berechnet war;ein andrer Theil ihrer Bevölkerung aber lebt in Zellen der Klösterverschlossen. Auf den stillen Gassen wandeln, von Morgens bisAbends, fast zu allen Stunden des Tages, Andächtige, besondersweiblichen Geschlechts , welche vom feierlichen Klang der Glocken zumGebet und Gottesdienst, bald nach dieser, bald nach jener Kirche,gerufen werden. Nur an Feier - und Markttagen erschallen, nebender Andacht in den Tempeln, 50 bis 60 Wirthshäuser, Wein-und Bierschenken oder die Kaffeehäuser vom fröhlichen Leben. DieStadt allein zählt, außer fünf Mönchs- und vier Nonnenklösternnebst einem Priesterhause, zwölf Kirchen und neun Kapellen. Unterden Kirchen ragt die dem heil. Nicolaus geweihte vor allen hervor.Sie stammt aus dem zwölften oder dreizehnten Jahrhundert und istim gothischen Styl erbaut; ihr Thurm, mit dem prachtvollen Geläute,dritthalb hundert Fuß hoch. In der Vorhalle am Haupteingangerblicken wir von Stein, in erhabner Arbeit, durch die Kunst deralten Meister, das Weltgericht dargestellt, eine blutige Sary^auf die Gewaltigen jener Zeit, auf die Herrscher vom Thron undAltar. Die Teufel zeigen sich rührig, die Verdammten in dashöllische Feuer zu schleppen. Man sieht sie gebeugt unter der Lastvon Kaisern, Königen, Fürsten und Herrn, von Päbsten, Kardi-nälen, Bischöfen und dickwanstigen Priestern und Mönchen, die siein Tragkörben zum Abgrund der Flammen bringen.

Victor Hugo, unter Frankreichs neuern Dichtern dergenialste in Erfindung und Ausfärbung ekelhafter Zerrbilder unddas sittliche Gefühl empörender Verknüpfungen der Charactere undSchicksale, hat in seinem RomanNotre Dame von Paris" eineneigenthümlichen Gedanken, der mehr, als das ganze Werk werthist. Ich kann mich nicht enthalten ihn zu wiederholen; denn er istschön, weil ernicht ohne Wahrheitist. Bis zum sechszehnten Jahrhundert,sagt er, war die Architectur das Buch der Menschheit, worin sieden Nachkommen ihre Gedanken und Gefühle überlieferte. Dieersten Denkmale waren Felsstücke, von keinem Eisen berührt; auf-rechte Steine, deren jeder ein Buchstabe, eine Hieroglyphe galt.Wir finden diese steinerne Sprache noch im Norden Asiens undEurovens.. wie in den Pampa's Amerika's. Später schuf man