Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
279
Einzelbild herunterladen
 

279

dazu geeignet; er, der scharfblickende Weise, der zärtlichste Kinder-freund, der edle, reine Mensch, liebenswürdig und gutmüthig, wieein Kind. Er war kein Mann der Welt, senden ein Mann derIdeen. Andre mußten seine Entwürfe in die Wirklichkeit hinaus ge-stalten: seine Ideen gleichsam verkörpern. Unter ihnen waren Her-mann Krüsi, Niederer u. s. w. ausgezeichnet. Er selber konnt'es nicht. In Frankreich, Deutschland, Preußen, Rußland, Neapel,Spanien, Nordamerika u. s. w. wurden Schulen und Bildungsan-stalten nach seinen Grundsätzen gestiftet; in der damaligen Schweiz,(denn sie ist gegenwärtig doch in Vielem eine andere und helleregeworden) folgte man dem von ihm aufgestellten Beispiel nur sel-ten. Und seine Lieblingsidee, die er bis zur letzten Lebensstunde,und immer vergebens, verfolgte, Kinder nämlich der Aermsten imVolk zu bilden, sie vom lebenslänglichen Elend, Bettelstab, vomZuchthaus und Schaffet zu erretten, konnte nur erst ein praktischerMann, von Geist und Gemüth, wie der edle Fellenberg rea-lisiren.

Ich mögte hier das Bild Pestalozzi's zeichnen, ganz wie ich ihnselbst, manches Jahrzehend lang, und in den verschiedensten Lagenseines Lebens, kannte. Ich kann es kaum anders, als wie ich es,in meinen Erinnerungen an ihn, schon anderswo that.

Er lebte, wie gesagt, nur in seinen Ideen und nur für sie. Ergehörte nur durch sie der Welt an. Veredlung, oder wenigstensdoch Entthierung der ärmern, verwahrloseten, größern Volks-masse durch Unterricht war sein ewiges Ziel. Ein Mann von soseltner Geisteskraft und sich selbst hinopfernder Tugend mußte großauf sein Zeitalter einwirken. Er hat in Europa, auch wo seinName nicht dabei genannt wird, unstreitig die mächtigste Anregungzur Verbesserung des Volksschulwesens gegeben. Dies Verdienstum die Menschheit wird ihm die europäische Menschheit dankbarimmer zugestehen. Sein Name ward im gesammten Welttheil,wie in Amerika mit Ehrfurcht oder Neid genannt. Nur in derSchweiz erkannte man den Außerordentlichen am wenigsten. Dasah man nur den schlichten Schulmeister, der weder Lebensart,noch Lebeusklugheit, besaß und weder seinen Anzug, noch seinHauswesen in Ordnung zu bringen verstand. Hier wurden selbstseine Tugenden lächerlich, und er hatte sich glücklich zu schätzen,wenn man ihn nur für einen etwas überspannten Kopf, nichtfür einen gutmüthigen Halbnarreu erklärte. Man erzählte sichmancherlei Auecdoten von ihm, um sich von ganzem Herzen überihn zu belustigen, z. B. wie er einmahl, auf dem Weg von