Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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Solothurn nach Basel, eine arme Familie im bittersten Elendfand; helfen wollte, nicht konnte; keinen Heller Geld bei sich hatte; abervon seinen Schuhen die silbernen Schnallen lösete, sie hingab, fort-rannte , die Schuhe mit Stroh festband und so zum Gelächter derGassenbuben in die Straßen der reichen Handelsstadt einzog.

Mit durchdringendem Scharfsinn und Alles vergegenwärtigen-der Einbildungskraft, sah er jede Schwäche, jede Stärke des Herzens.Er kannte den Menschen durch und durch; aber er kannte dieLeute nicht. Kindlichgut, war er leichtgläubig, wie ein Kind. Oftvon Andern, weit öfter noch durch sich selbst getäuscht, ward seineLeichtgläubigkeit eben so häufig zum unverdienten Vertrauen, alszum unverdienten, hartnäckigen Argwohn; und, bei der Reizbar-keit und Lebhaftigkelt seiner Gefühle, ging er eben so schnell zurLiebe, wie zum Hasse, über. Er wußte sich im Allgemeinen ver-kannt. Die Ungerechtigkeit der Welt gegen ihn zerriß sein Herz;um so leichter gewann ihn jeder, der seine Eigenliebe schmeichelte,und ihn lenken wollte. Dies und seine unverhehlten freisinnigenGrundsätze in des Vaterlandes öffentlichen Angelegenheiten, wo-durch er der Patrizier - und Geld-Aristokratie und deren dienstbe-flissenen Anhängern verhaßt blieb, waren die Ursachen, daß niegedieh, was er selber schaffen wollte, um seine Ideale in derWirklichkeit zur Anschauung aufzustellen.

Noch wenige Wochen vor seinem Tode trat der hochwürdigeGreis in mein Zimmer. Bei aller Hinfälligkeit des Körpers erschiendie Kraft seines Geistes ungebrochen. Mit jugendlicher Lebhaftigkeitentwickelte er mir seiner neuen Ideen eine, über Vereinfachung desUnterrichtens in todten Sprachen. Er wollte darüber noch einWerk schreiben. Da kehrte sem Genius die Lebensfackel um.