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Es giebt adliche Städte, wie es adliche Familien giebt. Einelange Reihe berühmter Vorfahren zu besitzen ist unlaugbar vonsittlicher Wichtigkeit. Die Erinnerung an ihre Tugenden weckt im Ge-müth des Urenkels stolzen Wetteifer mit ihnen, oder doch Schaam,ihrer unwürdig zu seyn. Wo dies, da ist lebendiger Adel. Ahnen-stolz und nichts weiter, ist nur noch Verwesungsgeruch des Leich-nams. Diplome und Stammbaume allein adeln ein Geschlecht sowenig , als hundertjährige Rheinwein-Etiketten auf Wasserflaschen,das Wasser derselben in Rheinwein umwandeln.
In der Schweiz ist, wie Zürich, so Genf, eine adlicheStadt, obgleich hier, wie dort Geschlechtsadel von jeher inkeinem hohen Preis stand. Der mehrhundertjährige Einfluß Genfsauf die Civilisation Europens ist bekannt. Die Stadt ist heutnoch Nebenbuhlerin ihrer eignen Vorzeit; das Verdienst der Alt-vordern um Wissenschaft, Künste, Gemeinwohl und Veredlungder menschlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse blüht von Ge-schlecht zu Geschlecht ungeschwächt fort. Es wäre nichts leichter,als davon den Beweis zu führen, wenn ich den geduldreichenLeser mit einem weitläufigen Katalog aller Vereine für Vater-land, Wissenschaft, Wohlthätigkeit, Kunst, oder aller Anstaltenfür Waisen, Taubstumme, Verbesserung der Sträflinge', oderaller reichen Privatsammlungen und Bibliotheken, behelligen, oderdie Namen aller ruhmreichen und ruhmwürdigen Genfer unsrerZeit anführen wollte, wie, mit Decandolle und Sismondi,den Naturforscher Pictet, den geistvollen, gemeinnützigen D u-mont, Benthams Jünger, den Grafen de Sellon, Präsiden-ten der Friedensgesellschaft und unermündlichen Kämpfer fürMenschlichkeit und Abschaffung der Todesstrafe; den GriechenfreundEynard, Capodistria's Freund, der mit Rath und That undfreudig hingeopferten Geldsummen den Hellenen in den schwerstenStunden ihres Kampfes um Unabhängigkeit half; Töpfer, denvielleicht humorreichsten izt lebender französischer „Romanciers";Prevost, den Physiker u. a. m. Ich ende die Ankübrunaen; siedrohen in ein Namenregister auszuarten.
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