Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
248
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heutiges Tages zu nicht ungewöhnlichen Erscheinungen. Noch sinddie Jahre 1714 und 1749 im Andenken, als ungeheure Massen derDiablerets in die wallisischen Alpen niederfuhren; Menschen,weidende Heerden, und Hütten unter dreihundert Schuh tiefemSchutt, eine Stunde Wegs weit vergruben; den Lauf der Strömeänderten und den tausend Schritt langen Deborence-See entstehnmachten. Von den durch den ersten dieser Bergfälle verunglücktenHirten rettete damals nur Einer wunderbar genug sein Leben. Eswar ein Mann des Bergdorfes Aven, in heitrer Höhe oberhalbSion. An einem schönen Nachmittag (35. Septemper) befand ersich eben in seiner Sennhütte, als ihn ein Donnerschlag betäubte,und das Licht des wolkenlosen Himmels in Nacht verwandelte. Einebreite Felsplatte des eingestürzten Berges war so über sein Hütten-dach gefallen, daß sie halbaufrecht, mit dem Obertheil an die Berg-wand gelehnt, stehn blieb. und die ärmliche Wohnung gegen denimmerfort nachprasselnden Schutt von Steinen und Erdhaufenschirmte. Der Verzweiflung und dem unvermeidlich nahen Todepreisgegeben, saß er Tage lang in seinem schauerlichen Grabe volltiefster Finsterniß. Tröpfelndes Wasser, welches durch Steine her-absickerte und seinen brennenden Durft löschte, war endlich der ersteLaut den er vernahm, und der ihn zum Versuch ermuthigte, indie Welt der Lebendigen zurückzukehren. Er entschloß sich rasch zurArbeit. Noch in der Sennhütte befindliche Käse konnten ihn einigeZeit vor dem Verhungern bewahren. Aber ungewiß, wie lange erdurch den zusammengefallenen Berg werde arbeiten müssen, nahmer von dieser Nahrung alltäglich nur wenige Bissen. Rastlos arbei-tete er fort. Es vergingen aber Wochen; es vergingen Monate.Der Winter kam. Seine Kräfte verschwanden allgemach. In derWelt war er schon vergessen. Da, nach einem Vierteljahr, kurzvor Weihnachten , trat er endlich zwischen den Felstrümmernans Tageslicht. Rings um ihn schweigende Einöde von Schnee-feldern, Wolken nnd Felsen. Geblendet vom Glanz, entkräftetvon Hunger und Anstrengung, übermannt von Entzücken, sank erohnmächtig nieder. Als er sich selber wieder gewonnen hatte,richtete er seine Schritte durch die Schneewüste zur Heimath.Aber, als er ins Dorf Aven trat, floh Jeder voller Entsetzenvor seiner Erscheinung. Bleich, abgezehrt, mit wankenden Füßen,glich er einem umherwandelnden Todten. Alle Thüren wurdendem Gespenfte verschlossen. Ein zu Hülfe gerufener Priester nähertesich zuletzt schaudernd, die wandernde Leiche oder das Gespenst zu