Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
247
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S47

bare Mischung der wilden Natur mit Anbau von der Hand desMenschen, wo man ihn nie erwartet haben würde; neben einerHöhle landliche Wohnungen; Weinreben, wo man nur Brombeer-gestrüpp gesucht hätte; Rebenhügel auf Bergfällen; edle Früchteauf Klippen; Ackerfelder in jähen Abgründen. Zu Allem nochdie Täuschungen des Auges, in der mannigfaltigen Beleuchtungvon Gebirgsspitzen; das Helldunkel der Schatten und des Sonnen-scheins; alle Zauberfpiele des Lichtes, besonders in Abend- undMorgenstunden. Welch ein Theater, diese Perspective von Bergenan Bergen, wo die hohen senkrechten Gestalten das Auge unendlichmächtiger beschäftigen, als flache Ebnen, in denen ein Gegen-stand den andern verdeckt!"

Es wäre wahrlich kein ganz leichtes Geschäft, die lange Reihevon Merkwürdigkeiten herzuzählen oder zu schildern, welche, vonSion hinauf bis zu den Quellen der Rhone, sich für den Be-obachter malerischer Gegenstände, oder der Sitten, Verfassungs-formen, Alterthümer und Eigenthümlichkeiten aller Art im obernWallis mit unaufhörlichem Wechsel darbieten. Und doch fühl' ichmich in Versuchung , den Leser im Geist durch das wunderbare Thalentlang zu führen, um zur Physiognomie des Landes noch einigeZüge liefern zu können.

Unter den wilden Gebirgen, im Süden von Sion, jenseitsder Rhone, gehören die grünen mit ländlichen Wohnungen bedektenVorberge und Maiensässen (les Hingen») zu den schönsten desLandes. Man nennt in der Schweiz die ersten Stufen des Gebirgs,zu denen im Frühling die Heerden hinausgeführt werden, ehe sieNahrung in den untern Alpen finden können,Maiensässe".Schon Echasssriaur, ehmahls französischer Ministerin Wallis,beschrieb die Pracht dieser Mayens, welche sich bis zum WaldeThjoung emporstrecken.

Berühmter aber sind die Bäder von Lenk. Das Dorf diesesNamens selbst, am Fuß des Gebirgs, vor der Ausmünduug einerBergschlucht, ist mit seinen zwei halb- oder ganz-öden Schlössern,mit seinen baufälligen Hütten und unreinlichen Straßen, nichtsweniger, als lieblich zu nennen; vielleicht eben darum desto pitto-resker, wozu auch die nächste Umgebung mitwirken kann. Dennauch hier steigt ein Paar jener gewaltigen Schuttkegel, gegen!WU Schuh hoch, aus der Thalebne auf, zwischen denen dieRhone hinrauscht. Vermuthlich ist ihre Grundlage aus Felsen-trümmern gebaut, die einst vom Hochgebirg niedergestürtzt sind.Dergleichen Felsstürtze verwitternder Bergkuppen, gehören auch