Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
239
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oder Felsen ihren Lauf unterbrachen und ihre Wildheit steigerten.Zum Beispiel im Jahr 1595 schwoll, so gehemmt, der Strom bisMartinach empor und fluthete da Menschen, Vieh und einige Hundertumherliegende Wohnungen mit sich hinweg.

Was vermag der Sterbliche mit aller Kunst gegen dergleichenNaturgewalten? oder wer im Gebirg weiß immer, von welcherSeite ihm der Tod droht? Ohnweit der Stadt mundet sich derBergstrom der Dranse in die Rhone aus. Er rinnt aus den zehnStunden langen B a g n e g le tsch e rn zusammen. Im Frühkingdes Jahres 1818 waren, wo sich das freundliche, alpenreiche Bagne-thal eng gegen den mehr, als 13,999 Fuß, erhabnen Berg Com-bin ausspitzt, ungeheure Eismassen von den Getroz-Feisen herab-geftürtzt. Sie verrammelten, 499 Fuß hoch und 3999 Fuß dick, denÄusgang des schmalen Hochthals, und den Ablauf des Dranseftroms,der endlich dahinter zu einem beinah 299 Fuß tiefen See anschwoll,959 Fuß breit und über drei Viertel Stunden Wegs lang. Tau-sende in den untern Thalgeländen, in Dörfern und Weilern,zitterten jede Stunde des Tags und der Nacht vor dem Augen-blick, wenn der Druck einer so gewaltigen Wassermasse den Gletscher-wall plötzlich durchbrechen würde. Die Gefahr zu mindern, wurdenkunftcrfahrne Männer zu Hülfe gerufen. Man schlug durch den Eis-damm einen Stolln, den See allmählig abzuzapfen; gefährlicheArbeit; Menschen hingen und kletterten, wie Ameisen, an denschlüpfrigen Schneemassen und glatten Eisklippen umher. Das Werkgelang. Das Gewässer begann allgemach abzufließen. Aber einesNachmittags (am 16. Juuy) sprengte mit Donnergetöse der Druckdes Sees den Eiswall aus einander. Der sich überwälzende Schwallder Fluth ftürtzte brausend von Alpen zu Alpen nieder, durch Wälderund Dörfer, Alles zerreißend, was nicht jählings flüchtete. Beifünfzig Menschen verloren in den Wogen das Leben. Ein Schadenvon l,199,759 Franken, nach amtlicher Schätzung, ward in einerMenge von Ortschaften beklagt. Zu Martigui allein wurden mehrdenn 89 Gebäude verwüstet; und mehr, als eine halbe Millionreichte nicht hin, hier das augerichtete Verderben zu ersetzen. .

Fast alljährlich wiederkehrende Ueberschwemmungen der Rhoneversumpfen und verpesten Boden und Luft der Umgegenden vonMartinach, in denen Kretinen und Kröpfe, mit allen Abstufungendes Uebels, am häufigsten angetroffen werden. Indessen verbreitet derWaaren-Paß, welcher Italien mit dem Norden hier über dengroßen Bernhardsberg verknüpft, dennoch einen gewissen Wohl-stand und einen Arbeitsfleiß, welcher, als wollt' er die Wildheit