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und größer, als die des Rhone-Thals; Schönheiten jedoch inbeiden Geschlechtern selten, oder durch ungeftalte Kleidertrachtenentstellt. Die Männer (ich spreche von Landleuten) wandern inihren Jacken, Westen und Kurzhosen von grobem, braunem, oderschwarzem oder blauem Landtuch, meistens ziemlich unreinlich, ein-her; eben so unzierlich die Weiber, und nachläßig, in ihren Wämsern,Schnürbrüsten, das kleine runde Hütchen auf dem Kopf mit altenverblichenen Bändern verziert. Man findet hier so wenig als imTessin, jene sonst bei Schweizer-Landleuten übliche große Sauberkeit,oder Eigenthümlichkeit der Tracht, vorherrschend. Eben so vernach-läßigt und schmutzig sind in der Regel auch die ländlichen Wohnungen;selten nur von Stein und dann halbverfallen; mehrentheils vonHolzstämmen, klein und niedrig, schwarz geräuchert, mit kleinen,alters - oder schmuzblinden Fenstern. Hin und wieder sieht man auchnoch die alten Gemeindshäuser an ihrer Vorderseite grauenhaft mitKöpfen und ausgestopften Fellen von Bären, Luchfen , Wölfen undandern Raubthieren geschmükt, wie in einigen Berggegenden Gran-bündens.
Den traurigsten Anblick aber gewähren in den tiefern Rhone-landschaften des Unterwallis die zahlreichen Er et inen. Man kannim Durchschnitt in Ortschaften, die dem Cretinismns unterworfensind, noch immer, auf hundert Einwohner, eins dieser elenden Wesenrechnen, die mit erdfahlen Gesichtern, schlaffen Mienen, dumm-stierenden Augen, Hals und Brust ekelhaft von ungeheuren Kröpfenbelastet, zuweilen kaum Spuren der Vernunft verrathen. Manchesind sprachlos; ihre Stimme gleicht nur dem Blöcken eines Thiers;ihr grinsendes Lächeln jagt Furcht und Grausen ein.
Noch immer bleiben die Ursachen dieser entsetzlichen Verzerrungder menschlichen Gestalt Geheimniß. Thatsächlich aber ist, daß derausgebildete Cretinismns hauptfächlich nur in Gebirgsländern(aller Welttheile) und dann nur in den tiefern Gegenden der-selben bemerkt wird, die durch wässerten sumpfigten Boden undfeuchte Luft haben, auch (wie an Schattseiten der Berge) einezeitlang im Jahre der Frühstrahlen der Sonne entbehren.In ebnen Ländern, in hochgelegenen Thälern, an trocknen sonnigteuSeiten tief liegender Thäler, erblickt man keine, oder nur selten,dergleichen unglückliche Geschöpfe. Unreinkichkeit und schlechte, wenig ab-wechselnde schwerverdauliche Nahrungsmittel, mögen bei Menschen,mit Anlagen zu scrophnlösen Krankheiten, das Uebel bedeutendbefördern. Die benachbarten, moorigten Ufer des Genfersees und dazudie von Zeit zu Zeit eintretenden Ueberschwemmungen der Rhone,