Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
226
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SanSalvatore den Gipfel seiner Pyramide zu den Wolkenstreckt, man mögte mit Bertoletti glauben, das niedlichsteKleinbild von Neapel zu finden. Die Stadt selbst, mit nur fünfund einem halben hundert Gebäuden und fünf und einem halbentausend Bewohnern, sechs Klöstern, mehreren Kirchen, Palläftenund öffentlichen Plätzen, trägt, bei der Mäßigkeit ihres Umfanges,das Gepräge einer gewissen großartigen Behaglichkeit. Anch pflegensich gern hier reiche Fremdlinge während der Sommermonde anzu-siedeln, um die Naturpracht der Umgebungen in ihrer ganzen Füllezu genießen. Der Irrgarten dieser Thäler wetteifert im Wechselder Reize mit dem See, welcher acht Stunden lang im großen Zick-zack umherschweift um bald einer einsiedlerischen Hütte im Schattendes Kaftanienwaldes, bald einer prächtigen Villa, bald finsternFelsenmassen, bald freundlichen Dorfschaften zwischen Weinlaubenund Maisfeldern, bald andern Uferbildern, den Spiegel vorzuhal-ten. Die Nähe der borromäischen Inseln, die Nähe des Comerseesin seiner wollüstigen Schwermut!), der lombardischen Ebnen undMailands, sind, neben der Luganesen gefälligem und geselligemTreiben, allerdings lockend genug, bei ihnen zu verweilen.

Fast hätt' ich unter den nachbarlichen Schönheiten das kleineParadies von Mendrisio vergessen, einem Flecken mit andert-halbtausend Einwohnern. Jeder Fußsteg führt da zwischen den weichenUmrissen der Hügel zu Landschaftsgebilden, welche an Lieblichkeitder Formen und Farben, an Fruchtbarkeit des Bodens und üppigerVegetation, Alles übertreffen, was diese Gegenden darbietenkönnen. Sie umringen, wie ein Blumengarten, den erhabnenRigi der südlichen Schweiz, den Monte Generoso, welchendie Anwohner auch Gionnero und Galvaggione heißen. Er,567« Fuß über dem Meerspiegel mit seinem Gipfel erhaben, (also12« Fuß höher, denn der Rigi am Waldsrättersee) gewährt überdie Südseite der Alpenkette und ihre strahlenden Firnen, wie überdie Umgegenden von Comv und Mailand, durch die lombardischenGefilde unermeßliche Fernsichten. Fast zu seinen Füßen schimmernrings um die Seeen von Lugano, Como, Varese und der Lagomaggiore. In ungezählter Menge ruhn Städte, Flecken und Dörferausgestreut auf dem grünen Teppich der italienischen Ebnen, die,neben und hinter ihm nordwärts sanft aufschwellen, wie ein unge-heurer, im Winde wallender Schleier, dessen ferner Saum zuletzthimmelwärts flattert, und, mit seinen zerrissenen Kanten und sil-bernen Franzen, Gebirgsspitzen und Gletschergefunkel bildet.Der Weg zum Gionnero hinauf ist überall leicht,'gefahrlos und