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am meisten das laute, feierliche Jntoniren (das bis eautare) des
Gesangs.
Längs den großen Hauptstraßen des Landes werden dergleichenUeberbleibsel alten Wesens und Unwesens nur noch selten, und inden Städten fast gar nicht, wahrgenommen. Sogar das alterthüm-liche Städtchen Bellinzona (oder Bellenz) mit seinen fünfzehn-hundert Einwohnern, weicht täglich mehr dem sanften Zwange desZeitgeistes, und läßt, während es sich im Innern verschönert, jenehohe lange Mauer mit den drei Felsenburgen verfallen, durch welchevon einer Bergwand zur andern, im Mittelalter der Eingang Ita-liens den kriegerischen Nachbarn im Norden versperrt wurde. Aberdiese dicken, verwitternden Gemäuer und festen Schlösser links undrechts, geben dem Engthal zwischen hohen, steilen Bergen ein ma-lerisches, ritterthümliches Ansehn. Italienische Geschichtsklitterersuchen hier jene caninischen Felder, auf welchen Constantius gegenGermanien und den brigantinischen See zog; eine Behauptung,welche ihnen durch rhätische Geschichtsforscher, zu Ehren der Ebnenvon Chur, streitig gemacht wird. Andre wollen sogar, mir unbekanntdurch welche Offenbarung, wissen, daß schon Julius Cäsar hier einengewaltigen dreieckten Thurm aufgeführt habe.
Liebhabern neuern Baugeschmacks mag der Anblick der prächtigenBrücke alla Torretta, ohnweit des alten Thurms, mehr Genußgewähren. Eine frühere Brücke war schon im Jahre 1515 von einerungeheuren Ueberschwemmung fortgerissen worden; im Jahre 1815ward endlich die neue durch die Regierung des Kantons im Bauvollendet. Auf zehn weiten Bögen behauener Granitquadern schwingtsich das Werk 714 Schuh lang über den Strom des Tessin, welchensonst benachbarte Gemeinden, wollten sie gen Bellinzona. oft nichtohne Gefahr, in elenden Nachen überschiffen mußten.
Jenes altersgraue Mauerwerk, welches über den Hügeln, mitseinen zahnförmigen Absätzen und bemoosten Burgen, wie ein In-valide in verblichner Uniform und mit unbrauchbarem Gewehr,Schildwacht hält; dann daneben dieser stolze Brückenbau, der, zumöffentlichen Nutzen, die Verzierung der Landschaft fügt, bildenvollkommen den Gegensatz alter und neuer Zeit. Aber derselbe, oftschneidende Gegensatz, wird fast überall in der Schweiz, besondersin ehmahls unterthänigen Gebieten, und vielleicht nirgends auf-fallender, als im Kanton Tessin erbtickt. Dieser, erst seit der Re-volution selbstständig gewordne, Staat gleicht übrigens^in seinerganzen Haltung noch keinem Freigebornen, sondern nur einemFreigelassenen, der von den Verlornen Ketten der Leibeigen-