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schaft die Narben und Wundenmahle an seinen Gliedern zeigt,und Schmutz und Gewohnheit der Knechtstage vergebens mit demPrachtmante! bedeckt. Neben dem Aufstreben zu höherer Bildungziemlich allgemeine Unwissenheit; neben dem Freiheitsstolz im Hausedemüthige Kriecherei draußen; neben Vaterlandsphrasen gemeinerOrts- und Familien-Egoismus; neben der Fruchtbarkeit des Bodensunter italienischem Himmel die Nachlässigkeit der Armuth. Wer inden Städten ein Vermögen von 50 bis 60,000 Franken besitzt,gilt als reicher Mann; auf dem Lande verhelfen schon 20 — 30,000Franken zu solchem Titel. Dürftige Haushaltungen miethen für ihrenBedarf die nöthigen Ziegen, Schaafe oder Kühe für einige Jahreund zahlen dem Eigenthümer wucherischen Zins dafür. Handwerkewerden nur wenige getrieben, sondern Fremden überlassen; dagegenwandern jährlich 10 bis l 2,000 Arbeiter nach Italien, Deutschlandund Frankreich, als Maurer, Gypser, Kaminfeger, Chocolade-fabrikanten, Lastträger, Kastanienbrater (murroin^) Ziegelbrenneru. s. w. aus. Was sie in der Fremde gewinnen und mit den schwer»ften Entbehrungen ersparen, geht des Winters wieder im heimath-lichen Wohlleben drauf.
So wandelt auf einem fruchtbaren Boden, zwischen Alpen undKaftanienwäldern, zwischen Weingärten und Aeckern, die zahlreichdoppelte Erndten gewähren, ein nn allgemeinen dürftiges Volk.Seine Armuth ist Folge eigner Unbeholfenheit, und diese die Fruchtehmaliger elender Gesetzgebungen und der Bevogtung durch Kantons-regierungen, deren Unterthanen die Bewohner des Tessin beinahe300 Jahr lang waren. Drei Jahrhunderte lang ward nichts Wesent-liches für Bildung und Wohlstand eines Landes gethan, welches nurvorhanden zu seyn schien, einzelne Familien in Herrscherkantonenzu bereichern. Die hieher gesandten Statthalter oder Landvögte,und Commissarien, die ihre Stellen gewöhnlich, besonders in denUrkantouen, um baares Geld gekauft hatten, verhandelten hierwieder untergeordnete Aemter und Stellen, Ehre, Freiheit, Rechtund Gut der Unterthanen um baares Geld; machten Gesetze undOrdnungen, um desto mehr Straffällige zu bekommen; ertheiltenStraflosigkeit um Geld, und um Geld verderbliche Monopolien undPrivilegien; zettelten Prozesse an und schlichteten sie so spät, alSmöglich, nach Willkühr. Um eine Vorstellung von der Raubgier undVerworfenheit der meisten Beamten zu erhalten, genügt es, dengültigsten aller Zeugen, den edeln Karl von Bonstetten, anzu-hören, der selber hier einer der letzten Syndicatoren war, und dieSchmach eidgenössischer Verwaltung dieser Unterthanenlande auf»