Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
220
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ten Neugn'echinnen der ägeischen Inselgruppe, als den Bewohnerin-nen eines rauhen Alpenthals, zuzugehören.

Die Baukunst in den höhern Gegenden des Landes scheint nochaus den ersten Zeiten ihrer Erfindung zu stammen. Die niedrigen,engen Hütten, welche nur auf Schutz gegen den Frost halbjährigerWinter und gegen ungeheure Lasten des Schnees berechnet sind,zum Theil von Tannenstämmen zusammengezimmert, zum Theil vonKieselsteinen gemauert, gleichen schlechten Viehställen; hingegen dieViehställe oft bewohnbaren Häusern. Die enge, unreinliche Wohn-stube, durch Fenster, theils von altersblindem Glase, theils vonPapier, matt erleuchtet, wird noch mehr durch eindringende Rauch-wolken und berußete Wände verdunkelt. Denn die Küche, vomFeuer des Heerdes erleuchtet, ist ohne Rauchfang und Schornstein."Kein deutsches Schweizerschwein," sagte Bonstetten im I. 1797,"würde in einige dieser Menschenwohnuugeu gehn." Nicht so zart-fühlend ist das Schwein des Tessiners, welches gern zuweilen nach-barlich in die Stube seiner Herrschaft einkehrt. Indessen dringtallmählig die Civilisation auch tiefer in die bewohnbaren Bergschluch-ten dieser Hochgegenden, wo ehmals die Nahrung der Menschen fastelender, als ihre Behausung war. Wenigstens versichert uns derneueste Beschreiber des Tessin, Stefano Franscini, Staats-schreiber zu Lugano, wenn auch der Bauer lind Handwerksmannim Kanton noch weit davon entfernt sei, wie Heinrich IV. seinenUnterthauen wünschte, jeden Festtag ein Huhn in seinem Topfe zuhaben, doch selbst im Valmaggia die tägliche Mahlzeit von "Panau"nicht mehr in Uebung sey. Dies Gericht, eines der einfachsten vonder Welt, bc stand aus Mehl, welches man in bloßem Quellwasser,oder auch in Molkenwasser, umgerührt hatte.

Daß sich in so ganz von der übrigen Wett abgeschiednen Ort-schaften des Gebirgs die wunderlichsten Uebungen der Vorzeit, dieoft den Gebräuchen der Halbwilden in den amerikanischen Wäldern,oder denen der schalkhaften Eskimo's nicht ganz unähnlich sehn,dauerhaft bewahrt haben, läßt sich leicht denken. Aber wer kenntsie alle? Ich will einige bezeichnen.

Hoch im Gebirg der Leventina liegt das Pfarrdorf Sobrio.Hier ists keine Kleinigkeit für den Jüngling, an seinem Hochzeitstagedie junge Braut zum Altar zu führen. Er muß sie aus ihrem Vater-hanse dazn abholen, und begibt sich an der Spitze seiner Verwandtenund Freunde dahin. Aber er findet, statt freundlichen Willkommens,verschlossene Thüren und höhnende Gesichter am Fensterlein. Langepocht und bittet er vergebens um Einlaß, bis man sich endlich bc-