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chen. Bald verkündete ihnen dumpfes, verborgenes Stöhnen nochdie Nähe eines Lebendigen. Es war das Stöhnen des Sohnes,eines zweiundzwanzigjährigen Jünglings. Gequält vom Hunger undFrost, mehr noch vom verzweifiungsvollen Bewußtseyn, fern vonMenschen, lebendig begraben zu seyn, hatt' er sich schon in seingrausenvolles Schicksal ergeben. Er hatte das Bein gebrochen.Seine heldenmüthigen Retter bedeckten ihn mit ihren eignen Klei-dern und trugen ihn so den langen, mühsamen Weg zum Thalehinab.
. Von allen Schweizerkantonen ist keiner, der dem Naturforschereine größere Mannigfaltigkeit der Pflanzenwelt, und, besondersim Gebirgsknoten des Gotthards, eine buntere Ausbeute seltnerFossilien darböte. Hier findet man auch noch in abgelegnen Gebirgs-winkeln unvergangne Bräuche und Sitten uralter Zeiten; und inSitte und Sprache seltsame Nachklänge des galischen Urftammes,wie der Etrusken und Griechen. Dennoch ist keiner der Kantone,selbst Graubündten kaum, weniger in seinem Innern besucht undgekannt, als der Tessin. Hier wären noch Entdeckungsreisen zumachen! Manche Gegenden des Landes sind sogar den Tessinernwenig bekannt, wie das fünf bis acht Stunden lange Thal Luser-none (oder Onsernone), welches sich, drittehalb Wegstunden vonLocarno, zwischen nackten Felswänden ins Gebirg hinaufzieht undeine Bevölkerung von drittehalb Tausend Seelen zählt. Wie überallin der Schweiz, muß man auch im Tessin nicht den großen Land-straßen nachgehn, um die seltsamen Herkömmlichkeiten des Volks,das Eigenthümliche seiner Bauarten, häuslichen Einrichtungen, er-erbten Begriffe und Vorurtheile, den Einfluß des Klima's, oder dieVerschiedenheit der Landestrachten zu beobachten. Noch gelten Modender Vorwelt beim weiblichen Geschlecht fast unverändert in denThälern von I so n e und Colla, von Marobbia und in derRiviera. Noch bedecken die Mädchen und Frauen in Valmaggia,beim Kirchgang an Festtagen, ihr Haupt nonnenhaft mit einemweißen, aber durch Bänder und Spitzen verzierten Tuche. Am an-muthigsten stellen sich neben diesen mittelalterischen Trachten, dieschönen Vorzaskerinnen dar, in ihren saubern, weiten, langenSchürzen, die ihre schlanken Gestalten, wie ein Obergewand, um-hüllen. Freilich kommen sie ihren Nachbarinnen, den reizendenFlobinen aus dem piemontesischen Maftalonethal, weder an Grazienoch im geschmackvollen Coftüme, gleich. Denn diese, in körperlicherSchönheit und romantischer Bekleidung, scheinen eher den bewunder-