Druckschrift 
Theil 1 (1837)
Entstehung
Seite
338
Einzelbild herunterladen
 

Z38

menschen keinen andern Tempel zu kennen scheinen, alsdie Gesellschafts-Säle und die Theater, wo siekeineandern Gottheiten zu haben scheinen, als das Vergnü-gen und die Zügellosigkeit, fühlte ich ein lebhaftes Ver-langen^ den Kalvarienbcrg zu besteigen, und für dieZZerirrungen der Sünder, und besonders für den An-theil, den ich früher selbst unglücklicherweise an diesensündhaften Freuden genommen habe, Kirchenbuße zuthun. Es war mir dieß eine herrliche Gelegenheit,meinen Schmerz und meine Neue an den Tag zu legen,und aus einer tiefen Betrachtung die Gefühle zu schöpfen,welche ich der unendlichen Güte, die mich vom Unter-gange errettet hat, darzubringen schuldig bin. O wiesüß sind die Augenblicke gewesen, mein Karl ! die ich amGrabe meines Erlösers zugebracht habe! Wie süß sindbesonders die Stunden der Nacht und des Schweigensgewesen! wie unendlich verschieden von denen, in wel-chen die Kinder der Welt, berauscht von einer unsinni-gen Freude, mitten unter Tänzen und Festen ihr Heilvergessen, den vergessen, welcher sie erlöset hat, ihreNrche opfern, und ihre Gesundheit und ihre Seele zuGrunde richten!

Lnieend, hingestreckt auf den Stein, wo der hei-lige Körper Jesu lag, gieng ich in meinem GedächtnißeAlles durch, was der so liebevolle, so barmherzige, sogroßmüthige, so gütige Heiland für uns gethan hat;ich folgte ihm in Gedanken durch alle Zeiten seines dürf-tigen, thätigcn und leidenvollen Lebens, zu dem er sichselbst verurtheilt hatte, von seiner Geburt in der nieder»