221
tctcn, den Geist aufgebend, ihre Augen nach der Ge-gend des Tempels, mit vom Schmerz zerrissenen Her-zen, daß sie die Bösewichter, welche ihn auf eine sofürchterliche Weise entweihten, lebend zurücklassen muß-ten. Diese Ungeheuer an Gottlosigkeit ließen anfan sdie Todten auf Kosten des allgemeinen Schatzes be-graben, um sich vor dem Gestanke derselben zu be-freien ; als dieser dazu aber nicht mehr hinreichte,ließen sie die Leichen über die Mauer in die Thälerwerfen. Das Entsetzen, von welchem Titus ergriffenwurde, als er bey Besuchung des Belagerungsplatzesdieselben ganz mit ihnen gefüllt sah, und die furcht-bare Fäulniß, welche von so vielen Leichen ausging,ließ ihn einen tiefen Seufzer ausstoßen. Er hob dieHände gegen Himmel und rief die Götter zu Zeugenauf, daß er nicht Schuld daran sey.«
Ein Theil von denen, welche aus Jerusalem flo-hen, um sich zu retten, stürzten sich über die Mauern,andere ergriffen Steine unter dem Vorwande, sie ge-gen die Römer gebrauchen zu wollen, und gingen dannzu diesen über." Um aber einem Uebel zu entgehen,stürzten sie in ein noch weit größeres, weil die Nah-rung, welche sie zu sich nahmen, ihnen einen weitschnellern Tod bereitete, als der war, mit dem sieder Hunger bedroht hatte. Sie waren geschwollenund sahen aus wie wassersüchtig. Um die Leere aus-zufüllen, welche die Natur in diese Schwache versetzthatte, aßen sie mit solcher Gierde, daß sie noch in der-selben Stunde platzten. Die, welche durch dieses Bcy-