219
in Ruinen zu legen, und in dieser äußersten Roth lie-ber daran denken sollten, ihr Leben, ihre Vaterstadtund den Tempel, mit dem kein anderer verglichen wer-den konnte, zu retten. Zu gleicher Zeit aber beschleu-nigte dieser große Fürst die Arbeiten, um die, welcheer durch Vcrnunstgründe nicht zur bessern Einsicht brin-gen konnte, mit Gewalt zu bezwingen.«
»Da er es zu schwierig fand, den Austritt aus derStadt zu verhindern, so ließ er um selbe eine Maueraufführen, deren Umkreis Z5 Stadien*) hatte, mit13 befestigten Platzen, ig Stadien im Umfang. Die-ses große Werk wurde, was unglaublich scheinen möchte,in drcy Tagen begonnen und vollendet.«
»Die Juden, welche sich nun ganz und gar in ihreStadt eingeschlossen sahen, verzweifelten an einemgünstigen Ausgange. Die Hungcrsnoth wurde immergrößer und raffte ganze Familien weg. Die Häuserwaren voll Leichen von Weibern und Kindern, undauf den Strassen lagen die der Greise. Die Jüngern,ganz geschwollen und kraftlos, schlichen mit wankendenSchritten auf den öffentlichen Plätzen umher. Manwürde sie eher für Gespenster als ssür lebende Men-schen gehalten haben, und das mindeste, was ihnenbegegnete, warf sie nieder. Auch hatten sie nicht dieKraft, die Tobten zu beerdigen, und wenn sie dieseauch gehabt hätten, so hätten sie sich doch theils wegenzu großer Anzahl der zu Beerdigenden, theils aber
*) Z2 Stadien sind eine deutsche Meile.
10 *