116
und trug dem Dracilianus, Stellvertreter des Befehls-habers der kaiserlichen Leibwache, und Statthalter derProvinz, auf, dem Bischöfe die nüthigen Arbeiter undMaterialien zu verschassen. Er selbst übernahm es,die Säulen, den kostbaren Marmor, die Edelsteine,das Gold und alle Verzierungen zu senden, welchegeeignet wären, ihn zum schönsten Tempel der Weltzu machen.
Helena wollte einer so ruhmvollen Unternehmungnicht fremd bleiben, und begab sich, ohne die Be-schwerden einer weiten Reise zu scheuen, noch in einemAlter von 79 Jahren nach Jerusalem, um durch ihreMacht sowohl, als durch ihre Frcygebigkeit und ihrenRath das große Werk ihres Sohnes zu unterstützen.Als sie den traurigen Zustand sah, in welchem sich derKalvarienberg befand, fühlte sie sich plötzlich von ei-nem brennenden Verlangen beseelt, das Kreuz des Er-lösers aufzufinden, und von diesem Gedanken erfüllt,ergriff sie ohne Zaudern die Mittel, ihren Zweck zu er-reichen. Die Schwierigkeiten, welche sich entgegen-setzten, waren von der Art, daß sie einen minder hoch-herzigen Eifer wohl hätten erkalten können; — manwußte nicht', was aus dem Kreuze geworden war;und die Geschichte Jerusalems, weder vor noch nachder Zerstörung, hat etwas darüber erwähnt. Einigebehaupteten, daß es durch die Sorgfalt der Apostel >und der ersten Christen verborgen, und vor Entwei-hung in Sicherheit gebracht, Andere und zwar die Mei-sten glaubten, daß es nach dem Gebrauche der Juden