Druckschrift 
Theil 1 (1837)
Entstehung
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

illi

Sollten Sie dicß, wie so viele Menschen, fürThorhcit halten? Ihre Frömmigkeit, mein lieber Karl!berechtigt mich, dicß zu bezweifeln. llebrigens gebeich Ihnen die Versicherung, daß ich diese Thorhcitnicht gegen alle Güter der Welt vertauschen möchte.Ich werde dieses Binscnstück sorgfältig aufbewahren.

Meine Zelle ist nur ungefähr drcyßig Schritte vomGrabe des Erlösers und tausend vom Kalvarienbcrgeentfernt. Ich höre die Gesänge der Griechen, derArmenier, der Kopten, der Katholiken, welche sichvor diesem Altare des Heils erheben , den Gesang end-lich von allen diesen Pilgern, welche die Stirne aufdie Erde gedrückt, wetteifern, jeder in seiner Spracheden Namen Jesus auszusprechen.

Wenn ich meine Zelle verlasse und den Gang be-trete, welcher an selbe stößt, so sehe ich den Vorplatzdes Gebäudes, welches das Grab des Erlösers ein-schließt, mit Pilgern bedeckt, welche zur Erde hinge-streckt sind. Wie viele Thrancn fließen an diesem hei-ligen Grabe! Welcher Mensch, der sein Vaterland,seine Freunde, seine Anverwandten verlassen, und dieseweite Nesse mittendurch so viele Gefahren unternommenhat, um das Grab seines Gottes zu besuchen, wirdnicht im Innersten gerührt seyn, wenn er sich demselbennähert? Besonders die Weiber, deren Frömmigkeit ingewisser Art rührender und inniger ist, können sich nichtenthalten, Ströme von Thräncn zu vergießen, wennsie mit ihren heißen Lippen die Stufen küßen, welchezum Felsen des Todes führen.