Druckschrift 
Theil 1 (1837)
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

s

Der Verurtheilte schien einigen Trost darin zu fin-den, als er vernahm, daß ein Ordensgeistlicher vonLatrappe ihm bis zu seinem letzten Augenblicke zumBegleiter dienen wolle; allein ich glaubte dennoch überdiesen Gegenstand die Chorherrn Widmer und Geigerzu Rathe ziehen zu müßcn, zwey Männer, welchemit großer Frömmigkeit Tugend, Verstand, undumsafsende Kenntniß der Landessitten vereinigen. Hierist der Brief, welchen ich einige Stunden vor derHinrichtung vom Chorherrn Geiger erhielt.

»Mein sehr ehrwürdiger Vater!

»Ich habe so eben mit dem Herrn Chorherrn Wid-»mer Rücksprache genommen, und unsere Meinung ist»folgende: Wenn Sie den Verurtheilten begleiten, so»bieten Sie der ganzen Einwohnerschaft ein neues»Schauspiel dar; alle Blicke werden auf Sie, und»auf Ihr Ordcns-Kleid gerichtet seyn. Eben deß-»wegen wird sich die Aufmerksamkeit nicht mehr mit»dem Unglücklichen beschäftigen, und gleichwohl betet»diese ganze Einwohnerschaft still für ihn. Sic wollen»etwas Gutes thun, und würden vielleicht etwas»Böses stiften.«

Dem frommen Rathe dieser würdigen Geistlichenmußte ich, ohne unschlüßig zu seyn, Folge leisten.Indessen, mein theuerer Freund! ich empfand dennocheinigen Verdruß darüber, daß ich einem Verurtheiltenden letzten Trost, nach welchem er sich zu sehnen schien,nicht gewähren konnte. Er wurde zum NichtPlatzegeführt; auf dem Schaffet angekommen wurden ihm