Von dem wahren Gebethe. Z29
dieses wadren Gebeths die Hauprur-sache, warum alle äußere Mittel — Hören,Lesen, Predigen, Reden u.a.m.— sowenigFrucht schaffen; und daher das Christenthumso sehr verfällt; die vornehmste Ursache,daß gute Seelen kiögcmeiti so träge in Ver-läugnung der Welt und ihrer selbst, soschwach in allen Proben, so unbekannt ihnen ,selbst, ja so fremd ihrem GOtt sind; daß sieso wenig innere Erkenntniß von dem hohen,herrlichen Wesen GOtres, so wenig Eindruckund Ehrfurcht vor seiner Gegenwart bezei-gen, und so kalt in seiner Liebe sind — Kurz:dieß ist die Hauptursache, warum heutigesTages die Christen so wenig Chrrften — dasist, mit dem Geist gesalbte, lebendige Aus-drücke und Bilder Christi — sind. Sie kön-nen es nicht seyn, weil sie so wenig des HErrnKlarheit beschauen (2Kor. Z, 18.), ihmanhangen (l Kor 6, 17.), noch mit Ihm undihrem GOtt durchs wahre Herzensgebeth sowenig umgehen; oder doch ihn nicht anbethen,wie er will angebethen seyn, nämlich inwendigim Geistund in der Wahrheit» J0H .4, 2z. 24.
Z?. Fr. Wer lehret uns aber also bethen?
A. Der Heiland JEsus selbst durch seinenH. Geist, den wir deßwegen darum anspre-chen müßen (a).
(a) Rom. 8, 26. 27. Der Geist hilft unsrerSchwachheit auf; denn wir wissen nicht, waswir bethen sollen, wie sich's gebühret; son-T 5 dern