Druckschrift 
1 (1836)
Seite
191
Einzelbild herunterladen
 

19l

welchem Fossil es bewirkt sey. Als ich, um dieß zu erforschen,verschiedne in Papier verhüllte Mineralien ihr nachmals unmittelbarunter die Fußsohlen gelegt hatte, empfand sie dieß Stechen beieinem beträchtlichen Stück Anhydrit. Es ist bekannt, daß dasSteinsalz von diesem wasserfreien Gyps begleitet zu seyn pflegt.

Mein größtes Erstaunen aber verursachte sie dadurch, daßselbst einzelne Sterne des Himmels, sie nannte mir Venus,Jupiter und den Polarstern, auf ihre Empfindungen einwirkensollten. In abendlicher Finsterniß und dichtem Nebel war ich einstmit ihr und ihrem Gemahl zur gastfreien Wohnung eines Land»Pfarrers im Aargau gekommen. Das Gespräch wandte sich, nachdem fröhlichen Nachtessen, auf ihr Sterngesühl. Des Nebels we-gen ließ sich die Stelle keines Sterns am Himmel ausmitteln,als, mit Beihülfe der Magnetnadel, die des Polarsterns. DerPfarrer brachte, ohne ihr Vorwissen, um mich zu orientiren, dieBussole, während ich der wunderbaren Fühlerin ihren Merino-shawl um den Kopf wand und in einen Knoten schürzte. Nachdemich sie lange genug im Zimmer nach aller Richtung umhergeführtund mehrmals um sich selbst gedreht hatte, blieb sie stehn, hobden rechten Arm himmelwärts mit vorgestrecktem Zeigefinger, undwandte sich, die Hand, als suche sie am Himmel, auf- und nie-derbewegend, langsam herum nach jeder Gegend des Horizonts.Plötzlich ging ein Zucken vom Zeigefinger durch den aufwärtsgehobnen Arm. "Dort!" sprach sie, und zeigte auf Norden unddie dortige Höhe des Polarsterns. Sie wiederholte später nachherbei mir, in einer Abendgesellschaft, denselben Versuch mit dem-selben Erfolg.

Aber ich schweige, um mich nicht dem Verdacht von Aberglau-ben oder getäuschtem Leichtglauben ganz nnd gar Preis zu geben.