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Xl.
Kanton Schaffhausen.
i.
Der Rheinfall.
Nein, den machtigsten, den prachtreichsten Wasserfall von Eu-ropa, den tausendmal beschriebnen und besungenen, will ich hiernicht wieder beschreiben mit seinen Donnern, von denen die benach-barten Felsen erdröhnen, und stundenweite Fernen in nächtlicherStille den Nachhall vernehmen; mit seinen Regenbogen, die ingrauen Wolken aufwirbelnden Wasserstaubes über dem Brodeln derWogen blitzen; mit seinen malerischen Einfassungen, die rußigeHammerschmiede links, den alterthümlichen Schloßthnrm im Wörthrechts, und die Burg Laufen drüben ans dem Felshügel. Wer dießgigantische Naturspiel nicht selber sah, kennt es wenigstens ans zahl-los davon gegebnen Abbildungen, ohngefähr so gut oder schlecht, wieman einen Unbekannten aus dessen schwarzen Schattenrissen, hinterGlas und Rahm, erkennt. Man muß dabei nur die Gefälligkeit derEinbildungskraft um Nachhülfe bitten, daß die silbernen und blau-grünen Wellenstreifen des Rheins in ewiger Beweglichkeit wechseln,und der wolkige Wogensturz der sechszig bis achtzig Schuh tieffallenden Wassermasse nicht, wie gefroren, behängen bleibe, in un-wandelbarer Gestaltung.
Die Nebenbuhler unsers Rheinfalls, die Catarakten des Nia-garastroms an Kanada's Gränzen, des Bogota in Colom-bien, des Pyrl in den indischen Rajemahalgebirgen, mögen ihnan Größe, nicht aber an Ruhm übertreffen. Indessen dieserRuhm ist auch noch nicht alt. Es scheint fast, die welteroberndenRömer kannten den Rheinfall gar nicht; denn keiner ihrer Schrift-