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Abgaben jährlich bezieht, muß er die gesammten Bedürfnisse seinerHaushaltung bcstreiten. Auch betragen daneben die Kirchen- Schul-und Armengüter weit über eine Million Gulden Kapital. Demungeachtet ist kein Mangel an guter Ordnung und Landeszucht;an Verbesserung der öffentlichen Anstalten, besonders der Schulen,an wohl unterhaltenen Landstraßen, Brücken u. s. w. In wohlor-ganisirten Staaten macht Noth erfinderischer und weiser, als dieeingeübteste Staatsklugheit, und führt und treibt der Mangelzum öffentlichen Reichthum durch wohlberechnete Sparsamkeit.
Der Hauptort der Republik, Frauenfeld genannt, ist nochein unbedeutendes Städtchen, von ungefähr 2000 Seelen belebt;ohne klassische Erinnerungen, ohne besondere Sehenswürdigkeiten,ohne Namen irgend eines berühmten Bürgers, obgleich hier imalterthümlichen Schlosse der dreihundertjährige Sitz der eidsgenös-slschen Vögte gewesen ist. Die Gewerbsherrn und reichen Güter-besitzer wohnen zerstreut im Lande auf ihrem Eigenthum; unterihnen sehr ausgezeichnete Personen, wie der edle Joseph von Laß-berg in seinem Schlosse zu Eppis h au sen, der fleißige Sammler undHerausgeber der frühesten Denkmäler altdeutscher Dichtkunst; —oder auf anmuthsvoller Höhe des Armenberges, in der Nähevon Konstanz, in ihrem heitern Schlosse den Stürmen der Weltentronnen, die Gräfin von St. Leu, Napoleons Stieftochter, einstHollands Königin, in edler Muße, wohlthuend und verehrt. Ihrgeistvoller und liebenswürdiger Sohn, Prinz Louis, vergißt da,im Umgang mit den Musen, das glanzende und gefährliche Loos,welches durch seine Geburt ihm einst bestimmt zu seyn schien. DerPrinz ist Republikaner geworden, und der Bürger des freien Thur-gaus steht unabhängiger, als er je im königlichen Pallast, undbarmloser unter dem Himmel der Alpen, als er je unter der Prachteines Thronhimmels gestanden seyn würde.
Auch an klassischen Stellen, deren sonst der Schweizerbodenso reich ist, leidet der Thurgau Mangel; doch nicht gänzlichen.Denn auch er zeigt eine von den Wahlstätten der letzten acht Frei-beitsschlachten der Eidgenossen, durch welche sie im sogenanntenSchwabenkriege Unabhängigkeit errangen.
Die Heerschaaren Kaiser Maximilians I., die Macht des schwä-bischen Bundes und des Adels umspannte damahls in weitemBogen das Land der Eidgenossen von den Engpässen Tyrols biszu den Ebnen des Elsasses. Die Streitkräfte der Schweizer aufeiner Linie von mebr denn 6l) Stunden Weges zerstreut, warenüberall schwach. — In Konstanz lag zahlreiches Kriegsvolk, zu Fuß