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und sie durch ihre Dienerschaft einem der Bettler ein Kstid hsltereichen lassen, nm welches er ungestüm gebeten, sprang dieser herver,schloß die Geberin in seine Arme und küßte sie. Die Knechte derGräfin stürzten empört gegen den Vermessenen hin, der aber denzerrissenen Mantel von seinen Schultern warf. Da stand Ulrich vonBuchhorn, der vielbeweinte Gemahl, vor Wendelgarden. Und dieGottgeweihte verzieh den Kuß.
Das Stadtlein neben der Abtei, mit Lehenleuten oder Leib-eigenen derselben oder freien Anfaßen bevölkert, blieb lange einunbedeutender Ort, dem das Kloster Richter und Verwalter sezte.Die Bürger nährten sich vom Ertrag ihrer Aecker, Heerden undgemeinen Handwerke. Bald aber fanden sie im Weben feiner Lein-wand größern Gewinn; bald ward dieß und Handel mit köstlichemLinnen die vornehmste ihrer gewerbigen Thätigkeit. Die Bevölke-rung wuchs; die Ringmauern wurden erweitert. Kunstfleiß erhöhteden Wohlstand des bürgerlichen Haushaltes; steigender Verkehrmachte größere Freiheit zum Bedürfniß. Die oberherrlichen Aebte,in ihren Fehden und Kriegen oft von Feinden, bei ihrem ver-schwenderischen Leben oft von Geldnoih bedrängt, sahn sich ab-wechselnd durch die tapfern Waffen oder durch das Gold der Bür-ger getröstet, und vergalten dem stillaufblühenden Gemeinwesendurch Gewährung mannigfaltiger Rechtsame; gestatteten ihm auch,eigne Richter, endlich selbst eignen Rath zu wählen. Die Kaiseudes Mittelalters, welche aufstrebenden Reichs- und KirchenfürstenSchranken bauen mußten, trachteten staatsklug, Städte an sich zrziehen durch mancherlei Gunst. So ward auch St. Gallen im Anfangdes dreizehnten Jahrhunderts in des Reichs Schirm aufgenommenund mit eignem Wappen geziert, wenn schon die Stadt noch demKloster steuer- und dienstpflichtig blieb. Aber schon in Handelsver-trägen mit deutschen und schweizerischen Städten schloß die Stadtmit ihnen nun, nach damaliger Sitte, zu eignem Schutz, besondereBündnisse. So erstarkte die thätige Gemeinde durch kluge Benutzungder Zeiten, durch Gewerbigkeit, Kunstfleiß und haushälterischeSparsamkeit der Bürger, welche für die Ehre ihrer Stadt keinOpfer scheuten, während die Abtei den innern Verfall durch äußernGlanz zu verhüllen oder zu ersetzen glaubte. Ihr Abt empfing(im I, 1)04) die Würde eines Reichsfürsten und zehn Jahre spä-ter das Recht der Jnful. Doch im Genuß klösterlicher Pracht undUeppigkeit starben Ruhm und Wissenschaften immennehr ab, durchwelche St. Gallens Stift einst herrlich vor dem Welttheil stand;und neben dem Gcbieterstolz des fürstlichen Mönchs und ssiner