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begonnen war, hatte die fromme Freigebigkeit nicht nur dernähern Umgegenden, sondern auch der entferntem LandschaftenHelvetiens, Rhätiens, des Elsasses, Breisgaus und übrigenSchwabens die Stiftung des heiligen Gallus zu einer der hvchbe-güterfteu jeuer Zeit erhoben. Nur an eigenen oder zinstragen-den Ländereien besaß sie 160,000 Jucharte, oder 4000 Huben.Das Kloster zählte mehr denn hundert Mönche in seinen Zellen;mehr denn zweihundert Leibeigene; ungerechnet die Menge derSchüler und Verpfründeten. Der Abt ward einem Fürsten gleich,ohne dessen Namen zu führen. Weder die zahllosen Fehden derRitter in jenen verwilderten Zeiten des Faustrechts, noch dieverwüfterischen Streifzüge der Ungarn, noch selbst die Räube-reien der ungläubigen Araber oder Mauren, die aus Spa-nien waren und schon in den Gebirgen Graubündens undAppenzells Fuß gesaßt hatten, konnten so großen Wohlstandvernichten.
Unglück und allgemeine Unsicherheit dieser Gegenden und Zeitenbrachte Wirkungen sehr entgegengesetzter Art hervor. Die frommenAebte mit ihren Mönchen ergriffen selber Schwert und Harnisch.Sie wurden Krieger, befestigten ihr Kloster, zogen um dasselbeund die benachbarten Wohnungen eine Ringmauer mit dreizehnThürmen und tiefem Graben. So wurden damit zur künstigenStadt St. Gallen die ersten Grundsteine gelegt (Ende deszehnten Jahrhunderts). Hinwieder wie nun in Kämpfen undschwelgerischen Gelagen die frühere Tugend der Geistlichkeit allge-mach abnahm, mehrte sich anderseits schwärmerische Frömmigkeitunter den Laien. Diese stifteten Klöster und Kirchen in Fülle, odervergabten ihr Gut den Heiligen des Himmels. Einsamkeiten derWälder und Gebirge bevölkerten sich mit Klausnern, Einsiedlernund Waldbrüdern, oder mit einzelnen und beisammenwohnendcnKlausnerinneu, Feldnvnnen und Waldschwesteru, die der Weltlnstabgeschworen, um in strenger Lebensweise das Paradies der Ewig-keit zu verdienen Nur selten ward eine dieser Klausnerinnen soüberraschend wieder in die Freuden des Lebens zurückgezogen, wiedie schöne und tugendliche Wendelgard von Buckhorn, KaiserOtto's I. Nichte. Nachdem sie ihren Gemahl, Grasen Ulrich, imSchlachtfeld gegen die Ungarn verloren, vertrauerte sie in Gebetund unter Thränen ihre Tage in einer Zelle bei St. Mangenkirchezu St. Gallen. Nur einmahl im Jahr verließ sie die Klause, umdem Andenken des Geliebten im Tempel von Buchhorn Todten-fe<er zu halten und AlNosen zu vertheilen. Wie dieß einst geschah.