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fondern von nebenaufragenden Felshörnern, Steinkltppen und Berg-wänden verrammelt. Diese zu erklettern ist weder eine ganz leichte,noch gefahrlose Arbeit. Auch ist es nicht für jedermann behaglich,droben auf einem engen Raum da zu stehn, wenige Schritte vonfürchterlichen Abgründen getrennt, in die man kaum ohne Anwand-lung des Schwindels den Blick hinuntertaucht, um dafür allenfalls,wenn das Wetter günstig, das Fernrohr gut ist, den Münsterthurmvon Straßburg, oder wie auf einer Landcharte, ein Dutzend Seenzu erkennen.
Aber ein Vorzug des Pilatus wenigstens wäre auch dem Riginoch zu seinen übrigen Herrlichkeiten zu wünschen, — das Echoder schönen Bründlenalp, und ein Sänger dazu, wie der Jüng-ling vom Dorfe Hergottswald, welcher einst mir zum Führerdiente. Der Mond stand schon hoch am Himmel, als ich noch ein-mahl, von dem jungen Aelpler begleitet, aus der Sennhütte inden windstillen, lauen Abend des Gebirgs hinaustrat. Ich gingwie in ein Traumleben ein. Zwischen grellen Lichtern, Finsternissenund Dämmerungen, sah ich mich in einer Fremde verloren, die mitder gewohnten Welt keine Ähnlichkeit behält. Mein Fuß schien überBerggipfeln zu schweben; und Berggipfel ragten in bleicher, un-deutlicher Entfernung unter mir hervor. Die Felsklippen hattensich neben mir in schwarze, gespenstige Niesengestalten verwan-delt, von seltsamer Stellung. Die Luft, rein und geistig, wie ichsie hier mit tiefen Odemzügen eintrank, schien mein ganzes Innreerfrischend zu durchstießen. In dem weiten Schweigen der überirdi-schen Nacht klangen von Zeit zu Zeit fantastische, aber lieblicheTöne, als drängen sie von den Sternen her. Es waren die Hirtenin entlegnen Alpen mit ihren Liedern. Indem ich einige hundertSchritte gegangen war, und unter mir aus der Helldunkeln Tiefelinks die Stadt Luzern, rechts ihren See dämmern sah, als schwäm-men sie, wie Luftbilder in Mondstrahlen umher, erhob mein Be-gleiter die Stimme zum Gesang, das Antliz von mir abgewandtgegen die breite und hohe Felsenmauer des Tomlishorns und Gems-mättli's. Aus der Brust hervorgepreßte, dem Jodeln ähnliche. Töne,angenehm und rein durch sich selbst, wurden es noch mehr durcheinfache, liebliche, launenhafte Melodien, welche mein Sängeraugenblicklichen Eingebungen zu danken schien. Schwieg er, so fiel,wie mit süßen Orgelklängen, der Widerhall der Felsen ein, hell«nd deutlich, nach und nach abschwindend, wie in Seufzern derWindharfe. Es schien ein Wettgesang der Oreaden mit meinemFührer zu werden. Er machte lange Pausen, sich zu erholen. Dann