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Das einzige Städtchen, von welchem der See, an dem esgelegen ist, und der Kanton selbst, den Namen trägt, ist zugleichHauptort der Republik. Man zählt darin ohngefähr 3000 Ein-wohner, und findet in ihm mehr für öffentliche Bildung undGewerbigkeit geleistet, als in den schon erwähnten benachbartenUrkantonen. Auch die Geistlichkeit ist helleren Geistes, oder hatminder politischen Einfluß, als in jenen Hirtenländern. Sie istverfassungsmäßig sogar vom Besuch der Landsgemeinde ausge-schlossen, in welcher das Volk sein Souveränitätsrecht ausübt.

Ohne Zweifel ist unter den Sehenswürdigkeiten der kleinenStadt ihre wunderliebliche Umgebung das Sehenswürdigste. Hierspricht die Natur in sanfter Majestät. Der zitternde Glanz einesSee's, der sich vier Stunden weit bis in den Schoos des dunkelnHochgebirgs ausfaltet, wird von sanft anschwellenden Hügeln undBergen umkränzt, unter denen viele mit üppiger Waldung, andremit Reben bekleidet sind. Das anmuthige Gelände wallet rings-um amphitheatralisch auf, bis die Pyramiden des Rigi und Pi-latus, die scharf geschnitten in den blauen Himmel hineinragen,den Vorgrund der Alpen und Gletscher bilden. Aus hoher Ferneschaun das Finfteraarhorn, die Schreck- und Wetterhörner, Eiger,Mönch und Jungfrau, Tschingli- und Gespaltenhorn hernieder.Man weiß nicht, ob sie zur Erde oder zum Himmel gehören.Die Pracht der Oertlichkeit, das reiche Laubwerk der Wald-gebüsche, die über dem Seespiegel schwebenden Segel, die Fülleund Mannigfaltigkeit des Schönen, welches, so weit das Augereicht, uns in frischen Tinten, zumal bei Morgen- und Abend-beleuchtungen, entgegenglänzt Alles hat hier eigenthümlichenZauber.

Wer sollte glauben, daß dieser freundliche See seinen Ufer-bewohnern schon mehr, denn einmahl, fürchterliches Unglück be-reitete? Er ist am Fuß des Rigi 1200 Fuß tief; bei der StadtZug nur kaum 200 Fuß. Hier aber, wie anderswo, unterfrißt erallmählig, wie es scheint, seine Gestade.

Schon einmahl im Jahre 1435, wie die Chroniken erzählen,vernahm man an einem Nachmittag um 5 Uhr (den 4. März)durch das ganze Städtchen schreckliches Gekrache. In der demSee zunächst gelegenen Straße warf der Erdboden Spalten.Häuser rissen auseinander. Die Leute flüchteten aus den Woh-nungen; andere wollten noch Habseligkeiten retten. Aber in we-nigen Minuten versanken zwei Straßen mit Grund und Bodenin den See. Ueber Tbürme und Mauern schlugen die Wellen