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führe. Brod, Fleisch oder Wein erscheinen im Jahre selten auf demTische. Man fühlt sich auch bei Most, Milch und Quellwasser,Kartoffeln, gedörrtem Obst, Käse und ähnlicher Kost, gesund undwohlgemuth, welche der Garten, das Feld und die Heerde liefern.Vom ersparten Gewinn der Arbeit wird das Gewand, das Haus-und Küchengeräth auf benachbarten Märkten eingekauft, wenn manes in Wintertagen nicht selber bereiten kann. Die Städte Luzern,Zug und Zürich versorgen den Reichern mit dem, was, bei ein-facher Lebensart, dem Minderbemittelten überflüssig dünkt.

Hier muß man, so wenig, als in andern Hirtenländern,Künstler und Handwerker suchen, ausser den wenigen, die mannirgends vermissen kann» Nicht einmahl der Schufter wird zu vielin Anspruch genommen. Der Hirt wandelt, mit Halbftrümpfenund nackten Füßen, auf hölzernen Sohlen, die er selber schnizt undmit angenagelten Niemen trägt. Ein Hirtenhemd von Hanf, hintenmit einer Kapuzze, gleich einer Kapuzinerkutte, bedeckt ihn imSommer bis zu den Hüften und den kurzen Hosen. Große Fabrikengiebt es nicht» Nur in Ger sau Seidenmanufacturen; aber dieserkleine Flecken gehört erst seit 30 Jahren zum Kanton Schwytz.

Er war, um beiläufig von ihm zu reden, mit seinen andert-halbhundert Häusern, ehmals ein eigner, souveräner Freistaat;hatte aber nicht durch seine Winzigkeit das beneidenswürdige Loos,in den politischen Stürmen des Welttheils ganz übersehn undvergessen zu werden, wie San-Marino immitten Italiens, oderder Freistaat An dorre im Pyrenäenthal, und wohl andre derglei-chen mikroskopische Republiken. Wie gesagt, Napoleon verleibteihn dem Kanton Schwytz ein. Noch izt haben die paar hundertBürger den Unabhängigkeitsverlust ihres Vaterländchens nicht ganzverschmerzt. Können sie nun keine Landsgemeinde mehr halten,lassen sie doch alle Jahr noch den herwallfahrtenden Gaunern oderFekern der Schweiz, wie man sie nennt, ihren Landtag mit allenmöglichen Lustbarkeiten feiern, ohne daß die Polizei Einspruch thut.Diese Gauner-Kilbi ist Herkommen aus dem grauen Alterthum.Schade, daß noch kein schweizerischer Hogarth die bunte Ver-sammlung von Strolchen, Bettlern und Heimathlosen, in derHerrlichkeit ihres dreitägigen Ehren- und Jubelfestes, zeichnete!Die Umgebung dazu wäre schon allein der Darstellung würdig.Denn der Flecken Gersau liegt gar malerisch, wenn auch nichtganz bequem, zwischen dem Seeufer, und den Rigifelftn einge-klemmt.