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der vermehrten Chriftenmenge zu eng geworden war. Aber auchdie ältere war nicht die älteste des Landes; sondern diese standvermuthlich in einem abgelegenen, rauhen Bergthal, Jberg ge-heißen. Da hatte vermuthlich einer der frühesten Heidenbekehrereinst zwischen Felsen und Wäldern seine Bethütte aufgeschlagen. Ichsetze zu Allem einVermuthlich", wie sichs gebührt, wenn manvon mündlichen Ueberlieferungen spricht. Man weiß nur, daß vorZeiten die Hirtenfamilien, welche zerstreut und noch nicht zahlreich,in den Thälern von Unterwalden und Schwytz wohnten, die weiteReise zum Kirchleiu nach Jberg machten, und abwechselnd nachdem unterwaldner Ennetmoos, zum Gottesdienst, wie etwa heu-tiges Tages noch im unbevölkerten Innern Nordamerika's derglei-chen fromme Sonntags-Fahrten geschehn. Auch izt noch hat dasKirchlein von Jberg, durch alterthümliches Herkommen, bei jährli-chen Kreuzfahrten seinen Vorrang.

Doch nicht eigentlich der Flecken Schwytz, sondern das ganzeLändchen, diese republikanische Antike, kaum größer, als ^2 Ge-viertmeilen mit etwa 38M0 Einwohnern, ist eine Merkwürdigkeitder Schweiz. Am Fnße der Hochalpen dehnt es sich, mit seinenBergreihen und Thälern, zwischen dem Waldstätter-, Zuger- undZüricher-See aus. Ich sage nichts von seinen landschaftlichenSchönheiten. Sie sind genug gepriesen, besungen und konterfeit.Sie bilden einen idyllischen Epos. Hier ist kein betäubender Wechselvon Ueberraschungen; kein Gebirgskamm, der sich so hoch in denHimmel erhebt, bis seine Felsengrathe im ewigen Eis erstarren.Das Liebliche paart sich mit dem Großartigen in sanften Ueber-gängen, fast künstlerisch geordnet. Zwischen Wildbächcn und Obst-Hainen, Blumenfluren und Felsen, Alpentriften und Hüttengärten,freundliches Wohnen eines biederen, stämmigen, heitern Völkchens.

Ich will lieber von diesem reden. Es lebt bekanntlich vonWiesenbau, Alpenwirthschaft, Viehzucht; damit wird freilich keinUebermaaß des Reichthums geerntet; aber auch kein Unmaaß derArmuth verbreitet. Beide erblickt man hier allenfalls im WallfahrtsortEinsiedeln beisammen. Im Allgemeinen besitzt jede der ländlichenHaushaltungen ohngefähr soviel Eigenthum, als für des LeibeSNahrung und Nothdurft hinreicht. Und viel ist da nicht vonnöthen,wo man sich am Unentbehrlichen genügen läßt. Wohnungen der Men-schen und Ställe des Viehs, sind, wie im Gebirg überall, vonBaumstämmen des nächsten Waldes zusammengefügt; von innenvertäfelt, oft zierlich, meistens reinlich; die Schindeldächer mitgroßen Steinen gehörig belastet, damit sie kein Sturmwind ent»