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führt durch das Beispiel der übrigen Eidgenossen, nahmen sieAntheil an deren Eroberungskriegen, und dünkte es ihrem Rechts-gefühl und Freiheitsftolz kein Unrecht, Herren von Unterthanen, Ge-bieter von Unfreien zn werden. Sie unterwarfen sich das LivenerThal, und sandten, gemeinschaftlich mit andern Eidgenossen, ihreLandvögte in die bezwungenen Landschaften von Tessin, in's Rhein-thal, in Thurgan und Sargans und in die obern freien Aemter.Von da an verlor sich die edle Sitteneinfalt der Vorwelt. DieLandsgemeinden verkauften die Verwaltung der Landvogteien, denenihrer Mitbürger, die dafür das meiste Geld boten. Bestechlichkeitund Umtriebe, sonst unbekannte Laster, wurden häufiger. Ein-zelne Familien bereicherten sich und sicherten sich hinwieder, durchReichthum, den Besitz der ersten Aemter im kleinen Staate zu;verkehrten, im Namen des Volks, mit den übrigen Eidsgenosseu,mit ausländischen Gesandten, vermietheten Kriegsvolk in fremderHerren Dienst, um ihren Söhnen und Verwandten Befeblshaber-ftellcn und Gelegenheiten zu schaffen, Geld, Würden und Kennt-nisse zu gewinnen; und nahmen für sich selbst, ohne Scheu, vonfremden Höfen Besoldung ihrer Dienstfertigkeit. Bis zum Ausbruchder französischen Staatsnmwälznng erhielten die Glieder der Regie-rung von Uri, wie in den übrigen katholischen Kantonen der Schweiz,vom französischen Hofe regelmäßige Jahrgehalte (deren Gesammt-heit sich auf 600,000 Gulden belaufen mochte). Mancher bezogeine Pension von 100 Louisd'ors. Dafür war man an den eid-genössischen Tagsatzungen, wie im eigenen Kanton, dem Wink ausden Tuillerien gehorsam.
Diese wenigen Züge reichen ans, um das Verarten der kleinenRepublik, wie ihrer übrigen Schwestern im Gebirg, zn bezeichnen.Johannes Müller, der große Geschichtschreiber der Eidsgenossewschaft, beschrieb die schönern Zeiten derselben, die Tage der Frei-heitsschlachten, der hirtlichen Sitteneinfalt, der Würde, Weisheitund Bescheidenheit der Volkshänpter. Der Eindruck davon bliebin allen Lesern zurück, und zog in ihrer Einbildungskraft einen Hei-ligenschein um das Schweizerthum. Die Zeiten des innern Ver-falls aber mit Treue zn schildern, konnte Einheimischen, bei denMachthabern, Gefahr bringen; mußte Ausländern schwer oderunmöglich werden; ward durch Vaterlandsliebe, oder National-stolz, durch strenge Geheimhaltung der Urkunden, oder ftaatsklugeScheue vor dem Auslande, verhindert. Mau verschleierte dieWahrheit, um nicht das günstige Vornrtheil der Europäer zn zer-stören. Aber das Schweigen von den Gebrechen in den kleinen