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1 (1836)
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Das Hirtenleben fordert weite Räume für die Heerden. Einsamkeitgestattete den Einsiedlern die größte, personliche Ungebundenheit,tägliche Vertrautheit mit Gefahren der Umgebungen machte sie starkund unerschrocken, und die freieste Bewegung ihrer Kräfte nöthig.Lange Zeit bildeten die Familien in den Thälern von Urk, Schwyzund Unterwalden nur noch eine einzige Gemeinde, die sich vonZeit zu Zeit, wenn eine Angelegenheit Aller berathen werden mußte»versammelte. Ohne Zweifel waren die Leute wohl auch insgesammtGenossen eines und desselben Volksstammes, vielleicht, ja wahr-scheinlich, Ueberbleibsel der geschlagenen Kymern und Deutschen(Cimbern und Teutonen). Erst mit dem Wachsthum der Bevöl-kerung näherte man sich einander mehr und wurden die gesellschaft-lichen Verhältnisse mannigfaltiger, die persönlichen Willkühren be-schränkter. Aber von der gewohnten Freiheit mochte keiner opfern.Wer konnte dem Gefühl und Bedürfniß feines eigenen Werthesund seines Rechts entsagen? Jeder blieb Herr für sich und wachteüber sein Recht. Die Höfe waren endlich Dörfer geworden; dochbehielten auch diese, wie einst die Höfe, den gemeinschaftlichenGenuß von Wäldern, Alpen und Viehweiden bei. So entstandenin Uri dieGenossamen" oder nachherigen politischen Bezirkevon mehreren Ortschaften; in Unterwalden dieÜrtinen" inähnlicher Bedeutung. Die Schwyzer hatten ihr Land in vier Theilegesondert, oder inViertel." Wegen der zunehmenden Volks-menge mußte zuletzt die gemeinschaftliche Versammlung aller waffen-fähigen Männer der drei Länder in einer einzigen Landesgemeindeaufgehoben werden. Uri, Schwyz und Unterwalden trennten sich;jedes bildete von da an einen kleinen Freistaat für sich. Aus glei-cher Ursache trennte sich späterhin, auf ähnliche Weise, auch Unter-walden noch in das Landob und nid dem Kernwald. Doch siealle behielten den alten Familienvcrband bei, wie ihn ihre Vätergehabt; zum Schutz und Trutz für ihre Rechte vereint im Lebenund Tod. Dieser Verein war, der Form nach, ein Staatenbnnd;im Gemüth und Leben des Volks aber ein einiger, fester Bun-desftaat.

Die Leute in Uri, zufrieden mit ihrem Loose, blieben fremdenHändeln lange Zeit abgeneigt. Ihre kriegerische Jugend zog wohlzum Beistand der Bundesgenossen in Schlachtfelder; doch, nacherfüllter Pflicht, ohne fernern Anspruch. Sie verlangten keine Er-weiterung ihres kleines Gebiets durch Eroberungen über die Nach-baren ; am wenigsten konnte ihr Sinn für Recht und FreiheitHerrschaft über andere Völkerschaften begehren. Erst spät, und ver-