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ben. Matt steht auf den Ruinen einer Welt. Der stumme Todhat da seinen ewigen Thron. Unter ihm breitet sich das weißeLeichentuch der Natur über Alles aus. Wo es der Sturm aberstellenweis zerrissen hat, liegt das Gerippe und schwarze Felsen-gebein des Erdballs entblöst. Die starren Gipfel, Firsten und Zinkendes Gebirgs, welche in seltsamen Gebilden umherftehn, gleichenriesigen Grabmalen. Nirgends Bewegung über dem Weltleichnam.Nur eine fahle Wolke schleicht am Himmel und zieht über die Eis-wüsten einen bläulichen Schatten nach.
Kein andres Schauspiel erzeugt in solchem Maaße das Gefühlgrauenvoller Erhabenheit; etwa noch das Weltmeer im Kriege mitdem Orkan. Dieß spiegelt uns noch Leben, aber das Entsetzlichedes Lebens, ab. Doch in den Einöden des ewigen Eises über denWolken, wo kein Halm vom Felsen nickt, wo nichts laut ist, alsder eigne Pulsschlag, wo im Anblick allgemeiner Vernichtung unsdas Gefühl eigner Vernichtung überwältigt, da tritt uns der Wel-tentod in entsetzlicher Majestät entgegen.
Streift man aber die ersten Wirkungen der furchtsamen Ein-bildungskraft ab, und betrachtet das Reich der Gletscher mit demForscherblick eines de Saussure von Genf, eines Hugi vonSolothurn, so offenbart sich die schöpferische Herrlichkeit Gottesauch inmitten der hocherhabnen Wildniß. Dem Scheintode derNatur entblüht ein andres Leben. Dem Eise entsprossen unbe-kannte Pflanzen. Die Gletscher athmen. Die Firnen bewegen sich.Man steht in einer Welt neuer Wunder.
Jene leuchtenden Eishüllen der höchsten Alpengipfel heißen Fir-nen. Ihre Massen haben eine Dicke oft von mehreren hundert SchuhTiefe. Ihr Schnee, von dem sie bedeckt liegen, ist graupenartig,körnigt; die Körner sind erbsengros, unzusammenhängend. Dasabschmelzende Wasser derselben sickert durch die untern Körnerlagenund vermehrt das Firneneis drunten. Die Linie dieser Firnen be-ginnt erst in einer absoluten Höhe von 7 bis 8000 Fuß.
Verschieden von den Firnen sind die Gletscher, die zwischenBergschluchten (bis zu 3200 Schuh Meereshöhe) in die Thäler nie-dergehn können. Der auf ihnen ruhende Schnee ist leichter undlockrer, ohne Aehnlichkeit mit dem der Firnen; eben so ihr Eis.Es ist dieß, zumal am Rande der Gletscher, ein Gefüge fest ineinandergreifender Krystalle. Sind diese durch den Herabfturz derEisblöcke aus den Höhen, oder vom Sonnenstrahl etwas gelöst,fallen sie, unter dem Schlage des Hammers, wie zerbröckelndesMauerwerk, von einander« Nisse und Spalten des Gletschereises