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schimmern himmelblau und blaßgrün» Je mächtiger die Eismassen,je tiefer die Bläue derselben.
Der Sonnenstrahl des Sommers schmelzt die Oberstäche derFirnen und Gletscher nur leicht ab. Desto stärker wirkt die natür-liche Wärme des Erdballs gegen die untere Seite der gewaltigenEiskrusten. Da bilden sich weite, höhere und niedrige Eisgewölbe,bis sie von der Schwere ihrer eignen Lasten zusammenbrechen. Dasverkündet ein Donnergeräusch, welches dumpf durch das Gebirgdröhnt. Die zerrissenen Eismassen, von ihrem Gewicht gezogen,senken sich an den Halden abwärts nieder und kriechen gegen dasThalgelände vor. Dann zeigen sich an den Oberflächen jene langen,tiefen Querspalten und Eisschlünde, in welchen, wann sie trügeri-scher Schnee verschleierte, schon mancher Gemsjäger sein unerwar-tetes Grab gefunden hat. So wandeln, im leisen und steten Wechsel,die Firnen von den unersteigbaren Höhen herunter; werden Glet-scher der untern Regionen, und zerfließen und verdünften im'wär-mern Luftkreis zwischen Blumen und Kräutern. Wieviel alljährlichdie Firnen der Höhe an Mächtigkeit zunehmen, soviel verliert inder Tiefe das abschmelzende Gletschergehänge.
Bekanntlich speien Flüsse und Seen die Leichname der Unglück-lichen wieder ans, die in deren Wellen den Tod fanden. Eben sodas Gletschereis. Es wirft jedesmal nach einigen Jahren die Ge-beine der Menschen und Thiere, welche in seinen Rissen und Spaltenverschwunden wären, wieder auf seiner Oberfläche an das Tages-licht. Doch nur das Knochenwerk uud Gerippe; das Fleisch daranhat der Gletscher gänzlich verzehrt.
Noch eine andre Seltenheit. Todtes Laub, oder Insekten, welcheein Wirbelwind mit sich aus der bewohnten Welt emporgerissen undüber den Schnee der Firnen und Gletscher verstreut hat, sinken all-mählig darin unter. Aber wenn von den schroffen Wänden undSpitzen des verwitternden Gebirgs ungeheure Steinblöcke und Fels-platten auf eben diesen Schnee herabfallen, sinken sie nicht hinun--ter in ihm. Sie wehren nur den Sonnenstrahl ab, daß er, so weitsie reichen, den Schnee nicht schmelzen mag, während derselberingsum vergeht. So steigen dann wachsende Eissäulen, von brei-tem Gestein bedeckt, da und hier seltsam empor. Krystallene Thürme,40 bis 80 Schuh hoch, von einem Felsen gekrönt, unterbrechen dieEinförmigkeit der bleichen Ebnen, und stürzen wieder prasselnd zu-sammen, das Schauspiel der allgemeinen Zerstörung zu vergrößern.
Mancherlei andre außerordentliche Erscheinungen begegnen demWanderer in diesen erhabnen Wüsten, wo seine verwegne Kraft oft