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durchwürzen und wildes Lorbeergebüsch zwischen Felsen hervor-,quillt. Ein Dorfthurm hebt neugierig hinter dem Kaftanienwaldsein Haupt hervor. Eine weiße Kapelle schimmert halbv'erstecktaus den Gesträuchen des Hügels. Und fragt man nach der Fernedes nächsten Ortes, tönt es melodisch: "Vn orettu!" aus schö-nem Munde.
Aber nur eine Tagreise bergauf, längs den Ufern der Maira,zur Höhe des Bergpasses, welcher über die Maloya in's Thalvom Engadin führt, und man steht schon am Rande der be-wohnten Welt. Das Leben der Natur ist erloschen. Todte Eis-massen decken ihr Grab. Rechts steigt eine silberbletche Pyramideüber das Gewölk empor. Es ist der '11,216 Schuh hohe M ir-ret to. Links dehnt der Se^timer die Zacken seines Felsen-kammes zwischen großen Schneelagern aus einander. Dort nun,oberhalb der Maloya noch, zwischen den Trümmern verwitterterSerpertinfelsen und zerstörter Gletscher, erscheint ein dunkles,kleines, stilles Gewässer, Lago di Lugni genannt. Es ist einBergsee; klar und kalt; Urne eines Flußgottes. Der Jnnstrom,oder Oen entspringt daraus. Ohnweit voN hier sind auch dieQuellen des Hinterrheins, in schauerlicher Gegend, die mit demNamen des Paradieses geschmückt wird, vermuthlich des Verlor-nen. Auch die Maira rinnt in der Nachbarschaft aus den Eis-gewölben vor.
Von hier macht der Jnn seinen Lauf 76 Meilen weit, biser, bei Passau, seinen Wasserschatz in die Donau stürzt. Dortrauscht er aus dem Gebirg, als großer Strom daher, genährtvon hundert Gletschern, deren Sohn er ist. Neben ihm erscheintdie Donau als geringer Seitenfluß. Sie hat, bis zur Vereinigungmit ihm eine mindere Länge. Und doch raubt sie ihm dort denNamen, den er, bis zum Gestade des schwarzen Meers zu tra-gen, mehr verdiente, als sie den ihrigen. Wohl mancher Ver-gessene hat die große That vollbracht, mit deren Lorbeern bekränztein Dritter zur Nachwelt geht.
Um den Lugni-See waltet Todesstille. Dann und wannwird sie vom Wiederhall fernen Lauinen-Donners, oder von ei-nem schneidenden Windzug gestört, der zwischen dem Geklüft derFelsen seufzt. Je höher man in die breiten Schneegefilde hinauf-steigt, die kein Sommer hinwegthaut, je ernster wird das Ge-müth dessen, der hier allein noch in der unermeßlichen Einsamkeitzu athmen wagt. Man ist rings von den Schrecken einer un-geheuern Zerstörung belagert. Da scheint nie Leben gelächelt zu ha-