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Fluren weiter, üppiger Gegenden, unter dem mildesten Himmel,sind von gewaltigen Strömen zerrissen. Am Rande der Wolkenschimmmern Kirchen und einsame Höfe im Himmelsglanz zwischenSaatfeldern und Wiesen. Im Thalgrund aber, bald links, baldrechts, bald am Fuß, bald an den Rippen der Berge, erhebenBurgen romantisch ihre alten Gemäuer und zerfallenen Wartthürme.Man zählt solcher Denkmale längstvergangener Adelsherrlichkeit beihundert und achtzig verschiedene. Nur noch einige derselben habensich bewohnbar erhalten.

Den Zauber des erstaunlichen Wechsels zu vergrößern, werdenselbst Zeit und Witterung dienstbar. Die Physiognomie der Land-schaft kann sich an einem Tage binnen wenigen Stunden verwan-deln. Wir bewundern noch bei reinem Himmel das colossale Pracht-bild der Gebirgs-Landschaft mit ihren zahllosen Ortschaften, Höfen,Kirchen und Ruinen. Alles schwebt da wie auf Luft mit Duftfar-den gemalt. Das Auge verliert sich in der schönen Hügelwclt biszu den veilchenblauen Fernen, zum Silberlicht der Schneeberge.Plözlich aber verengert sich das unermeßliche Gemälde. Es beginnttrübes Wetter, die brennenden Farben verlöschen. Rechts und linksrücken die Berge zusammen; von einer Felswand zur andern überdas Thal spannt sich, wie graues Zelttuch, tiefes Wolkengehänge.Im Schatten desselben ruht eine kleine Welt. Das Thal ist zu ei-nem niedrigen, langen Wundersaal geworden, Firsten, und Grathe,und Eisberge sind verschwunden. Alles ist enger, traulicher; unddas Entfernteste, auf täuschende Weise, in die Nähe gezogen.

Sollt' ich den Charakter der bündnischen Gebirgslandschaftenmit wenigen Worten zeichnen: so mögt ich sagen, die Natur athmehier nur in prächtiger Wildheit, in feierlicher Anmuth, ihren wun-derbarsten Launen hingegeben. Selbst im Lächeln wohnt noch eineMajestät, bei der die Seele dessen zittert, der es zum erstenmalerblickt.

Ich nannte Rhätien vorhin eine Schweiz in der Schweiz. DieSchweiz ist ein Verein von 22 Freistaaten; Rhätien aber ein Bundvon 26 Republiken. Völkerschaften wohnen neben Völkerschaften,die selten von einander erfahren, wenig mit einander verkehren, ge-trennt durch Hochgebirge mit unübersteiglichen Felskämmen. Einigesprechen italienisch, andre deutsch; andre Uraltladinisches, andreAramaum'sches, oder Romanisches, welches sich aus Jahrhundertenvor unsrer Zeitrechnung erhalten haben mag, da der rhätischeVolksstamm der Hetrusken vor den Grausamkeiten der Galenaus Italien in diese Wildnisse stob. Inmitten der Gegenden, wo