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kennen in benachbarten Felsen ihre Höhlen; Lämmergeier undSteinadler schweben über den stummen Einöden am Himmel»
Unterhalb der Eismeere breitet sich dunkelgrün der Teppichder Alpenwiesen aus, nur im höchsten Sommer von Viehheerdenbesucht. Spannhohe Weidengesträuche Lappland's erheben sichin der Nähe des unvergänglichen Winters. Erst weiter abwärtsbeginnt kräftigeres Pstanzenleben, und Bäume erheben sich. Aberes sind nicht die Bäume der mildern Gegenden, sondern Lerch-taunen und Cedern Sibiriens, Arven, mit Zapfen voll eßba-rer Zirbelnüsse.
Die Thalgegenden hinwieder gleichen an Anmuth oft den lieb-lichsten der Schweiz; oft denen Tyrols an rauher Majestät.Zwar zeigen die Halden des Gebirgs breite und tiefe Narben,welche die Wuth der Bergströme seit Jahrtausenden hinterlies,aber nicht so oft, wie im Tyrol, weite Strecken kahler Felsen,alles Wieseuschmucks und aller Wälder beraubt, in schauerlicherNacktheit. Manche jener Bergströme sind schon seit undenklicherZeit versiegt, oder haben sich zwischen Klippen andre Bahnengewählt. Doch verrathen noch ihren ehemaligen Ausstuß in's Thalviele gegen den Fuß des Gebirgs sanft anschwellende Hügel; ke-gelförmige Anhäufungen herabgcschwemmten Felsenjchuttes, nunseit Jahrhunderten schon mit fruchtbarem Erdreich, Wiesen undGebüschen bekleidet.
Anch in der Mitte der Thäler werden zuweilen deren Ebnenplözlich von schroffen Hügeln unterbrochen. Ein Wäldchen, eineBurgruine, darauf ein Kreuz für die Andacht hingepflanzt, schmücktmalerisch die plözliche Anhöhe. Es sind Reste uralter Bergstürze,als sich, von den Kämmen und Firsten der Alpen, Felsenmassenlöseten, in Tagen, von denen kein Sterblicher mehr weiß.
Der Wechsel der Landschaftsgebilde in den rhätischen Thälernstellt sich so reich dar, wie irgendwo in der Schweiz; aber oftweit überraschender, und großartiger. Ein Tag genügt, um vonden Rebengeläuden, Kornfeldern, Obsthainen uud Kastanienwäl-dern des wärmern Himmelsstrichs in die Eisgefilde Spitzber-gens überzugehn; ein bloßes Wenden des Antlitzes genügt, sichvon einer Gegend voller wollüstigen Behaglichkeit in die des Ent-setzens zu verlieren. Das Schöne und Grausenhafte ist fantastischzusammengereiht. Stundenlange Wildnisse, auf Klippen-Wegen,zwischen Felsblöcken, Tannenwäldern, donnernden Giesbächen,und schwindelerregenden Höhen und Abgründen, versetzen in einlachendes Thal voller Heerden, Hütten und Dvrfschaften. Die