Druckschrift 
1 (1836)
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

Das Bedürfniß der Freiheit, um ein Leben voller Entbehrun-gen, Gefahren und Arbeiten auf unwirthlichen Felfengründen er-träglich zu finden, und der gesunde Natursinn eines abgehärtetenVolks, welches des Himmels Unbill, aber nicht so leicht derMenschen Willkühr ertragen kann, erleichterte oder lösete früh dieBanden mittelalterifcher Knechtschaft. Dorf- und Thalschaftengestalteten sich allgemach, unter Schutz und Gunst der Städteund Abteien, von denen sie erobert, oder durch Kauf und Erbschafterworben waren, zu besondern Gemeinwesen, mit eigenthümlichenRechtsamen. Manche derselben begannen zuletzt Wettkampf desGewerbsleißes mit kleinern Städten. Wohlstand, Reichthum, bessereErziehung der Jugend, begleitet von schweren Schicksalen desLandes, brachten endlich die Umwandlung aller Verhältnisse, indenen wir jetzt den Landmann und Patricier in voller Gleichheitbürgerlicher Rechte erblicken. Enkel vormaliger Leibeigner stehnheut hochgeachtet, oft ruhmvoll an der Spitze des Staats, derKirche, oder der Heerschaaren und Großgewerbe.

Hinwieder ists nicht selten, Namen weiland hochgeborner Frei-herren und Grafen oder andrer edeln Hänser des Schweizerlan,des, von Nachkömmlingen getragen zu sehen, die der erlauchtenAbstammung kaum bewußt, ihr väterliches Feld mit Pflug undKarst, im Schweiß des Angesicht's bauen. So herrschten in alterZeit Grafen von Rore weit umher, längs den Strömen derAare und Reuß. Noch um die Mitte des nennten Jahrhundertssaß Graf Landolin, nach Frankensitte, an seinem Thurm Rorebei Aarau, auf der Malftätte, das Volk zu richten. Die Machtaber auch dieses Hauses ging in den Jahrhunderten gesetzloserFehden verloren. Mit abnehmendem Wohlstand des Geschlechtssank selbst endlich der Name in die Dunkelheit der tiefern Ständeunter. Noch besteht jedoch im Kanton Solothurn ein altesFideicommis, von welchem, so lange ein Rudolf von Rorevorhanden ist, derselbe Genuß haben soll. Es ist schwer zu sagen,welchen Ursprung dieß Vermächtniß gehabt habe, aus dem sichnoch heut der gebeugte Stolz zu verkünden scheint. Aber es fehltnicht an zahlreichen Nutznießern unter den Landleuten, welcheden edeln Namen tragen. Und nicht nur die Söhne, sondernsogar die Töchter werden "Rudolf von Rore" getauft, um vomvielzersplitterten Erbe ihren Jahrstheil zu empfangen. Viele alt-adeliche Geschlechter findet man solcher Art unter den Bauern;wie die vonArx, die Prevost oder de Präpositis inBünden u. a. m.