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müther ein ungewöhnliches Gefühl der Größe der Natur, der Ge-danke ihres den Anfang des menschlichen Geschlechts weit überstei-genden Alters, und ein gewisser Eindruck von ihrer unbeweglich-festen Gründung, dringt uns das melancholische Nichts unserer kor-perlicben Form auf; zugleich aber erhebt sich die Seele, als wolltesie ihren höhern Adel der todten Größe entgegensetzen".
So mannigfaltig, wie die Gestaltungen der Thäler und Ge-birge, sind auch die Sitten von deren Bewohnern, und derBetrachtung eines denkenden Geistes nicht minder würdig, als jene.Kein Wort hier von den wunderlichen bunten, oft theatralischen,oft niedlichen Trachten des Volks. Man kennt sie aus unzähligenAbbildungen. Nichts von den berühmt gewordenen Kuhreihen derHirten, die, wie fröhlich ihre Weife seyn möge, nur in der Stilleder hohen Einöden, im begleitenden Geläute der Heerdenglockenund des Felsen-Wiederhalls, ihre wunderbare Bedeutung, undjene rührende Feierlichkeit empfangen, die, wie jeder Naturton,im reinen Einklang mit der ganzen Gebirgsnatur lebt. Nichtshier von den Spielen der athletischen Sennen, ihrem Ringen undSchwingen, und Weitschleudern zentnerschwerer Steine; oder vonWinzerfesten am Leman, von Sonderbarkeiten althergebrachterFeiertage anderer Gegenden, von ungewöhnlichen Uebungen undBräuchen bei Geburt, Ehe und Tod.
Das Alles mag Neugier, Ohr und Auge der Reisenden imVorbeigang ergötzen. Aber nicht diese Einzelheiten sind es, welchedie Bewohnerschaft der helvetischen Hochlande, neben andern Na-tionen, auszeichnen. Denn auch die übrigen Länder haben ihreauffallenden Lebensweisen, seltsamen Gewohnheiten und Gebräuche.Sondern, daß, auf einem Flächenraum des Erdbodens von somäßiger Ausdehnung, ein so greller Abstich der verschiedenartigstenZustande alles gesellschaftlichen Daseyns neben einander besteht, wiesonst nur zwischen Nationen und Nationen gefunden wird, dießerblickt man nicht leicht.
Der Fremdling glaubt sich, schon von Kanton zu Kanton, nichtbloß in andre Staaten, mit andern Religionsübungen, Gesetzen,Münzen, Maaßen und Gewichten versetzt; nein, oft schon vonThal zu Thal, zu andern Völkern gekommen, deren Sprachen,du.ren Mundarten, deren Trachten , Wohnungen, Beschäftigungs-