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halbe oder viertel Stunde von einander entfernt; in taglichem Verkehr verwandte Nachbarschaften, wo Jedermann, klein und groß,sich kennt und nennt; — wie würde da verdächtiges Gesinde!Gelegenheit finden, sich anzurüsten? oder wie könnte da ein Unbekannter nur vorübergehen, dessen Signalment die männliche undweibliche Neugier nicht sogleich aufnähme? Schon, wer nicht ingleicher Ortschaft und Nachbarschaft wohnt, und wäre er auchBürger des gleichen Landes, heißt ein Fremder.
Allerdings, auch andere Länder Europens haben ihre eigen-thümlichen Reize; ihre Seen, ihre Wasserfalle, Gebirge und üp-pigen Thalgelände. Aber nirgends ist Alles in dem Maaße zu-sammengedrängt, wie hier; so überraschend durch schnellen Wechselund doch in so kolossalem Maaßftabe. Oder wo sieht man, Eng-land ausgenommen, das tiefe, erquickende Grün der Wiesenund Matten; die seladongrünen Wellen der Ströme, wenn siegebadet aus den Seen hervortreten; oder der Seen weiten Spiegel,mit einem Kranz von Dörfern, Städten, prächtigen Villen undeinsamen Wohnungen der Ufer umschlungen und zitternd das Bildder himmelhohen Alpen, wie aus einem durchsichtigen Abgrund,zurückgeben?
Vielleicht nur tragen die Berge Thibets das Gepräge jenerGröße und Majestät, mit welchen die helvetischen Alpen, bei ih-rem ersten Anblick, das Gemüth bewegen. Denn selbst die Cor-dilleras der Anden erregen so großartige Wirkungen nicht.Obwohl der Chimborasso Südamerika's noch 5909 Fuß höher,als der Montblanc ist, erscheint er rm Hochthal von Quitcdoch nur 9 bis 19,999 Fuß über demselben erhaben, währendder Montblanc seinen Silbergipfel aus einer Höhe von 13,769Fuß im Genfersee spiegelt und noch 11 bis 12,999 Fuß über dasThal von Chamouny hinwegschaut; oder das Finster-Aar-horn sich im Thunersee erblickt, das 11,454 Fuß tief unter ihmliegt. Selbst Alexander von Humbold, dieser Fürst unterden naturforschenden Reisenden, anerkennt dieß, und sagt: „derChimborasso und Cotopaxi, von den Hochebenen Licom'sund Mucalo's aus betrachtet, scheinen nicht so groß, wie derCol du Geant oder Col du Cramont, welche de Saus-sure gemessen."
So versteht man, was der unsterbliche Johannes Müllervon der Gewalt des Eindrucks spricht, welchen die Erscheinungder schweizerischen Gebirgsmassen bewirkt. „Je näher man„, sagtkr: „den hohen Alpen kömmt, um so mehr dringt in die Ge
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