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weisen, Kulturstufen, Charakter, ja, deren Nationalphysiognomieensogar, auffallend von einander abweichen. Er gibt sich vergeblicheMühe, zum weitern Fortkommen, ein schweizerdeutsches Wortaufzufassen und dem Gedächtniß einzuprägen; in der nächsten Nach-barschaft versteht man ihn schon nicht mehr. Gleichwie man hierin kurzer Frist alle Climate Europens, beim Besteigen des Hoch-gebirgs, durchwandert, vom warmen Odem des südlichen Himmelsbis zum tausendjährigen Eis der Polarländer; so kann man auchin wenigen Tagreisen alle Gestttungsstufen der europäischen Weltdurchschreiten, vom feinen Ton großer Hauptstädte, bis zur Le-benseinfalt des gastfreundlichen Nomaden, welcher, ohne Kundevon der übrigen Welt, arm an Begriffen und Bedürfnissen, sichinmitten der Entbehrungen und Gefahren seiner vergessenen Hoch-thäler glücklich preißt.
In der That ist die Bevölkerung der Schweiz nur aus Trüm-mern vieler Nationen zusammengesetzt, welche, in Stürmen längst-vergangener Zeitalter untergegangen, ihre Ueberbleibsel zwischendiesen Felsen liegen ließen. Hier wohnten gewiß schon Menschen,ehe sich ein halbes Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, ausItalien hetruscische Flüchtlinge ins Gebirg retteten. Aberspätere Flüchtlinge siedelten sich neben den frühern an; ihreEnkel, ihre Sprachen leben beisammen noch in den rhätischenHochthälern fort; in andern Gegenden Ueberbleibsel jener nordi-schen Cimbern und Teutonen, die Marins schlug, undderen Verwandtschaft mit den Völkern Scandinaviens heute nochdurch Aehnlichkeit des Menschenschlags, der Namen, und alter-thümlichen Sagen in der Schweiz, wie in Schweden, beurkundetwird. Anderer Orten findet man wieder Spuren von Hunnen,die zum Untergang in den catalannischen Feldern gezogen waren.Hier wurden die ansäßigen Römer, nach Erlöschung ihrer Welt-herrschaft, Leibeigene der A l le m an ne n, Burig unden undGothen, bis auch diese hier wieder von der Eisenfauft derFranken gleiches Loos empfingen.
Alle diese Völkertrümmer, mit ungleichen Sprachen, Sittenund Einrichtungen, lebten vereinzelt in dem weitläufigen Labyrinthvon tausend Thälern fort, oft ohne Gemeinschaft, fast ohne Kundevon einander, oft durch unüberfteigliche Bergketten geschieden. Hiertönte in verschiedenen Mundarten die Sprache des alten Thus-ciens, dort Galliens, hier des italischen Lombarden, dort deralten Deutschen fort. Diese Sprachen werden auch heute noch,wenn schon nicht mehr in erster Ursprünglichkeit, geredet. Ich