Druckschrift 
Friedrich des Großen Betrachtungen über die Regierungsformen und die Pflichten der Regenten : von ihm selbst niedergeschrieben
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

Orte verschwendete» Ehrenbezeugungen bestärken das Publikumm dem gemeinen Vorurtheile, daß cS hinreiche, Vermögen zubesitzen, um angesehen zu sein. Dann schüttele Gewinnsucht undHabgier den Zügel ab, der sie hielt; Jeder will Reichthümcrmurmeln; man bedient sich der unrechtmäßigsten Mittel, um die-selben zu erlangen : die Vcrdcrbtheit greift um sich, faßt Wurzel/and wird allgemein. Die Männer von Talent, die tugendhaftrcn Bräirircr sind verachtet, und daS Publikum ehrt nur dieseBastarde dcS MidaS, deren Aufwand blendet. Um zu ver-hindern, daß die öffentlichen Sitten sich nicht bis zu diesemmrchtbarcn Ucbermaaß verderben, soll der Fürst ohne Unterlaßbedacht sein, nur das persönliche Verdienst auszuzeichnen, und?cm Rcichthum ohne Sitteir und ohne Tugend mir Verachtungzu zeigen. Uebrigens, da der Fürst eigentlich das Haupt einerFamilie von Bürgern, der Vater seines Volks ist, soll er beiallen Gelegenheiten den Unglücklichen als letzte Zuflucht dienen,?cn Waisen ein Vater sein, den Wittwcn beistehen, Mitgefühlkür den letzten Elenden, wie für den ersten Höfling haben, undWohlthaten über die ausstreuen, die, jeder Hilfe beraubt, nurBeistand in seiner Mildthätigkcit finden können.

Dieß ist, den Grundsätzen gemäß, die wir im Anfange die-ses Versuchs aufgestellt haben, die bestimmte Vorstellung, dieman sich von den Pflichten eines Regenten und von der einzi-gen Art, die eine monarchische Regierung gut und erfolgreich-nachcn kann, bilden muß. Haben viele Fürsten eine andereAufführung, so muß man es dem beimessen, daß sie wenig überihre Einsetzung und die daraus entspringenden Pflichten "nach-gedacht haben. Sie haben eine Last getragen, deren Gewichtund Bedeutsamkeit sie verkannt, und daher aus Unkenntnis? ge-irrt. Denn in unserer Zeit begeht man durch Unwissenheit mehrFehler, als durch Bosheit. Diese Skizze eines Monarchen wirdoen Kritikern vielleicht als das Urbild der Stoiker vorkommen,als daS Bild dcS Weisen, das sie gedacht, das niemals eristirthat, und dem der einzige Marc Aurel nur nahe gekommen ist.Ich wünsche, daß dieser schwache Versuch Marc Aurele bildenmöge; dieß wäre der schönste Lohn, den ich erwerben könnte,und der zugleich zum Wohl der Menschheit diente. Ich mußindeß hinzusetzen, daß selbst ein Fürst, der die mühevolle, hierihm vorgczcichncte Bahn rühmlich zurückgelegt, doch nie zu einergänzlichen Vollkommenheit gelangt; denn bei allem guten Willenkann er sich in der Wahl derer irren, die er zur Fuhrung derGeschäfte brauchte, man kann ihm die Dinge in einem falschenLichte vorstellen, seine Befehle nicht pünktlich vollziehen, Unge-rechtigkeiten auf eine Weise bemänteln, daß sie nicht zu seinerKenntniß kommen, harte und halsstarrige Beamte können zuviel Strenge und Hochmuth ausüben; endlich kann in einemausgedchntm Lande" der Fürst nicht überall selbst sein. Das